Regenbogenadoption: dürfen Homosexuelle adoptieren?

durch (babygest staff), (babygest staff) Und (embryologin).
Aktualisiert am 26/08/2019

Die Adoption bietet gleichgeschlechtlichen Paaren die Möglichkeit, eine "Regenbogenfamilie" zu gründen.

Seit der Ehe für Alle können nun verheiratete Lesben und Schwule nach §174 Abs. 2 Satz 2. BGB ein Kind gemeinschaftlich adoptieren. Damit stehen ihnen in der Ehe nun die gleichen Rechte wie heterosexuellen Paaren zu und beinhaltet auch das Recht auf Adoption.

Vor dieser Gesetzesänderung war es gleichgeschlechtlichen Paaren nicht oder nur unter schwierigen Bedingungen möglich gewesen, ein Kind zu adoptieren.

Eine Auslandsadoption hingegen gestaltet sich als weit schwieriger, da nur wenige Länder gleichgeschlechtlichen Paaren eine Adoption erlauben.

Eine Regenbogenfamilie gründen

In Deutschland gebraucht man bei einer Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare häufig den Begriff "Regenbogenfamilie". Diese stellen eine relativ seltene, wenn auch sehr vielfältige Familienform dar.

Der Name Regenbogenfamilie leitet sich von der Regenbogenflagge ab, inzwischen ein weltweites Symbol für selbstbewusste Lesben, Schwule und Bisexuelle, das auch im übertragenen Sinne für die LGBT-Community stehen kann.

Während der 1960 Jahre entstanden durch die gegenkulturelle Hippiebewegung "Stämme" oder "Rainbow-Families", da sich die Angehörigen dieser Bewegung alle als Brüder und Schwester betrachteten und dabei nicht in Herkunft und Hautfarbe unterschieden.

Regenbogenfamilien können auf folgende Weise gegründet werden:

  • Durch Adoption
  • Durch eine Leihmutterschaft
  • Durch eine Kinderwunschbehandlung mit Spendersamen (nur bei lesbischen Frauen möglich).

Da Frauen ihre eigenen Kinder gebären können -vorausgesetzt es sind keine Probleme in der Fruchtbarkeit vorhanden- ist eine Adoption durch Schwule in der Regel häufiger als durch lesbische Paare.

Adoption in Deutschland

Ursprünglich war gleichgeschlichtlichen Paaren nur eine Adoption über die Stiefkindadoption möglich, d.h. der Lebenspartner konnte das leibliche Kind seines Partners adoptieren.

Jedoch war es nicht möglich, ein fremdes Kind gemeinsam zu adoptieren. Seit der Gesetzesänderung vom 01.10.2017 können nun Homosexuelle gemeinsam ein fremdes Kind adoptieren.

Von Stiefkindadoption spricht man, wenn der jeweilige Ehepartner das Kind des anderen adoptiert.

Folgende Voraussetzungen müssen bei einer Adoption durch homosexuelle Paare erfüllt werden:

Mindestalter
Ein Elternteil muss mindestens 25, das andere mindestens 21 sein.
Altersunterschied
Es gibt kein Höchstalter für eine Adoption. Jedoch sollte der Altersabstand nicht größer als 40 Jahre sein.
keine Vorstrafen
Die Bewerber müssen über ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis verfügen.
Gesundheit
Die Adoptionseltern müssen körperlich und psychisch in der Lage sein, sich um ein Adoptivkind zu kümmern.

Genauso wie bei einer Adoption durch Heterosexuelle, kommt ein Mitarbeiter und stattet den zukünftigen Adoptiveltern einen Besuch ab. Dabei besprechen sie die Beweggründe für eine Adoption sowie den bisherigen Werdegang der beiden Bewerber sowie Werte und Ansichten zur Kindeserziehung. Darüberhinaus macht sich der Mitarbeiter des Jugendamt ein persönliches Bild über die Wohnsituation.

Das Eignungsverfahren kann dabei bis zu einem Jahr dauern.

Adoption im Ausland

Ein homosexuelles Paar hat es im Ausland schwieriger, ein Kind zu adoptieren, da nur wenige Länder eine Adoption durch homosexuelle Paare zulassen.

Folgende Länder erlauben eine Adoption:

  • Brasilien
  • Kolumbien
  • Mexiko (Nur in einigen Staaten: Mexiko-Stadt, Coahuila, Campeche, Colima, Michoacán, Morelos, Veracruz, Baja California, Chiapas, Chihuahua, Puebla und Querétaro)
  • Portugal
  • Es gibt noch weitere Länder, vor allem in Europa, Amerika und Australien, die Homosexuellen den Zugang zur Adoption gewähren.

    Jedes Land stellt seine eigenen Anforderungen an die zukünftigen Adoptiveltern. Wenn Sie dazu mehr wissen möchten, können Sie sich an die Bundeszentralstelle für Auslandsadoption wenden.

    Regenbogenfamilien in der Debatte

    Es gibt immer noch viele Debatten und widersprüchliche Ansichten über die Adoption durch Homosexuelle. Während es einige als Grundrechte von Homosexuellen verstehen, argumentieren andere, dass Kinder einen väterlichen und mütterlichen Bezug haben sollten.

    Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass das Hauptziel der Adoption das Wohl des Kindes ist. Das Hauptanliegen des Staates ist das Wohlergehen der Kinder- daher wird davon ausgegangen, dass es für sie besser ist, in einer Familie aufzuwachsen, als sie in einem Kinderheim zurückzulassen.

    Dafür

    • Ein Adoptivkind ist ein von den Eltern gewünschtes Kind, so dass auch die wirtschaftliche Stabilität in der Familie gewährleistet ist.
    • Ein Adoptivkind bedeutet ein Kind weniger ohne Zuhause, da sich viele Adoptivkinder in einem Kinderheim befinden und keine Familie für sie da ist.
    • Regenbogenfamilien fördern im Allgemeinen Werte wie Gleichheit, Respekt und Inklusion und tragen so zur Beseitigung von Homophobie, Fremdenfeindlichkeit und anderen Formen der Diskriminierung bei.
    • Es gibt keine wissenschaftliche Beweise dafür, dass Kinder, die von Homosexuellen aufgezogen werden, der gleichen sexuellen Orientierung folgen wie ihre Eltern.
    • Homosexuelle Eltern engagieren sich stärker in der Bildung ihrer Kinder, sind motivierter und engagierter in ihren Aufgaben als Eltern, was dazu führt, dass weniger Probleme in der Schule auftauchen.

    Dagen

    Ungeachtet dessen, was im vorherigen Abschnitt gesagt wurde, stellen einige Leute immer noch die Frage, ob homosexuelle Eltern die richtige Bezugsperson für ihre Kinder sind.

    Unter ihren Argumenten gegen die Adoption von Familienangehörigen weisen wir auf folgende Punkte hin:

    • Den Kindern homosexueller Paare fehlt eine Vater- oder Mutterfigur, das ihre psychologische Entwicklung beeinflussen kann.
    • Das Zuhause homosexueller Paare ist instabiler, weil es mehr Scheidungen und Trennungen gibt als bei heterosexuellen Paaren, was nicht die notwendige Stabilität für die Erziehung eines Kindes garantiert.
    • Die Kinder homosexueller Paare haben Probleme mit sozialen Kontakten, da sie sich unsicher fühlen und schüchtern sind, wenn es darum geht, über ihre Familie zu sprechen.
    • Homosexuelle Paare haben mehr psychische und drogenabhängige Probleme, was zum erhöhten Stress ihrer Kinder beiträgt.
    • Kinder von homosexuellen Paaren sind einem höheren Risiko von Mobbing ausgesetzt.
    • Alle diese Argumente haben keine wissenschaftliche Grundlage, und die Menschen, die sie verteidigen, basieren auf falschen Mythen und schlecht durchdachten Studien.

      Fragen die Nutzer stellten

      Kann ein unverheiratetes homosexuelles Paar adoptieren?

      durch Zaira Salvador (embryologin).

      Ja, das hängt aber von der Gesetzgebung des Landes ab. Momentan genehmigen nur 28 Länder eine Adoption durch Homosexuelle im gesamten Territorium. Deswegen ist es wichtig, sich über Anforderungen jedes einzelnen Bundestaates zu informieren und zu überprüfen, ob eine Ehe Adoptionsvoraussetzung ist.

      Bei einer Auslandsadoption verlangen die beliebtesten Länder unter Homosexuellen keine Ehe als Adoptionsvoraussetzung (Kolumbien, Brasilien und Mexiko). In Deutschland ist eine Ehe auch nicht zwingend notwendig bei einer Inlandsadoption.

      Ich bin homosexuell und ledig. Kann ich trotzdem adoptieren?

      durch Zaira Salvador (embryologin).

      Ja, in Deutschland kann jeder unabhängig seiner sexuellen Orientierung oder Familienstandes adoptieren.

      Im Gegensatz zur Adoption bei Regenbogenfamilien ist es in vielen Ländern ledigen Personen möglich, ein Kind zu adoptieren. So akzeptieren beispielsweise die Philippinen, Indien, Bulgarien oder Peru alleinstehende Personen für eine Adoption; sowohl Männer als auch Frauen.

      Aus diesem Grund verbergen viele Homosexuelle ihre sexuelle Orientierung und versuchen als ledige im Ausland zu adoptieren. Jedoch sollte beachtet werden, dass das Sorgerecht nur die Person hat, die tatsächlich adoptiert und nicht der Partner.

      Tragen durch homosexuelle Eltern adoptierte Kinder psychische Schäden davon?

      durch Natalia Alvarez (projektmanagerin von babygest).

      Nicht unbedingt: Kinder die von gleichgeschlechtlichen Eltern adoptiert werden, sind genauso emotional und psychisch gesund wie jedes Kand, das von heterosexuellen Eltern aufgezogen wird.

      Studien haben gezeigt, dass Kinder, die in einer Regenbogenfamilie aufwachsen sind, offener sind und weniger Vorurteile im Umgang mit Geschlechterrollen haben. Ein Kind zu haben und zu erziehen ist ein Prozess, der auf Liebe und der Bereitschaft basiert, das Kind vor seine eigenen Bedürfnisse zu stellen.

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Literaturverzeichnis

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: Gesetzestext zum Adoptionsvermittlungsgesetz.

Bundeszentralstelle für Auslandsadoption: hier

[siehe] Wikipedia.org Artikel über Regenbogenfamilie: Herkunft der Kinder in Regenbogenfamilien.

Lebenspartnerschaft.de Adoption bei gleichgeschlechtlichen Paaren.

[siehe] Bundeszentrale für politische Bildung: Regenbogenfamilien in Deutschland.

Fragen die Nutzer stellten: 'Kann ein unverheiratetes homosexuelles Paar adoptieren?', 'Ich bin homosexuell und ledig. Kann ich trotzdem adoptieren?' Und 'Tragen durch homosexuelle Eltern adoptierte Kinder psychische Schäden davon?'.

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Autoren und Mitwirkende

 Marie Tusseau
Marie Tusseau
Babygest Staff
Chefredakteurin des Magazins Babygest auf Französisch und Englisch. Mehr über Marie Tusseau
 Romina Packan
Romina Packan
Babygest Staff
Chefredakteurin des Magazins Babygest auf Deutsch. Mehr über Romina Packan
 Zaira Salvador
Zaira Salvador
Embryologin
Abschluss in Biotechnologie an der polytechnischen Universität Valencia (UPV) und Spezialistin für assistierte Reproduktion mit Masterabschluss in Human Reproduction Biotechnology am Instituto Nacional de Infertilidad (IVI) und der Universität Valencia. Mehr über Zaira Salvador

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