Wie kann ich ein Kind adoptieren? Adoptionsarten und Ablauf

durch (projektmanagerin von babygest) Und (babygest staff).
Aktualisiert am 14/11/2019

Die Adoption eines Babys, sei es durch Inlands-oder Auslandsadoption, ist eine Option für viele heterosexuelle oder schwule Paare sowie für alleinstehende Personen, die entweder wegen Fruchtbarkeitsproblemen oder ihrer persönlichen Situation kein Kind auf natürliche Weise bekommen können.

In diesem Artikel gehen wir darauf ein, welche Bedingungen und Anforderungen auf nationaler sowie internationaler zu erfüllen sind, wie hoch die Wartezeiten sind und die aktuelle Situation in Deutschland ist.

Das Konzept der Adoption

Die Adoption besteht darin, ein Baby, Kind oder einen Jugendlichen als rechtliches Kind anzunehmen, ohne dabei Rücksicht auf die biologische Abstammung zu nehmen. Es geht dabei darum, eine Beziehung zwischen zwei Personen herzustellen, indem man ein Eltern-Kind-Verhältnis herstellt.

Die Adoption eines Kindes ist ein langwieriger Prozess; der Adoptierende benötigt eine positive Bewertung, damit sein Antrag geprüft und ein positiver Beschluss von einem Richter eingeholt werden kann.

In diesem Sinne ist es notwendig, die verwendeten Begriffe Adoptierte/r und Adoptierende/r näher zu definieren:

Adoptierte/r
Person die von der Adoptivfamilie aufgenommen wurde, die ihren Nachnamen übernimmt und in rechtlicher Hinsicht das Kind der Adoptivfamile wird.
Adoptierende/r
ist die Familie, die den Adoptierten aufnimmt. Von dem Moment an, in dem die Formalitäten erledigt sind, erhalten die Adoptierenden die Vaterschaft des Kindes und es entsteht somit eine Verwandtschaftsbeziehung.

Familien, die auf natürliche Weise keine Kinder bekommen können, haben mit der Adoption die Möglichkeit eine Familie zu gründen.
Adoptiveltern kompensieren Monate oder Jahre der Entbehrungen und haben es sich somit zur Hauptaufgabe gemacht, ihren Kindern bei der Eingewöhnung an ihr neues Leben zu unterstützen und bieten ihnen eine bessere Zukunft.

Was ist mit der Adoption eines Babys verbunden?

Das Ziel der Inlandsadoption ist es, familienlosen Kindern in Deutschland eine Familie zu ermöglichen.

Bei der Auslandsadoption hingegen werden die Adoptiveltern die rechtlichen Eltern eines Kindes, das im Ausland geboren wurde.

Leider leben nicht alle Kinder in Kinderheimen unter optimalen Bedingungen für ihre Entwicklung und leider sind nicht alle von uns bereit, mit einem Kind mit einer schwierigen Vergangenheit umzugehen.

Es sollte bedacht werden, dass es sich meistens um arme Länder handelt, in denen Eltern ihre Kinder zurücklassen, weil sie nicht in der Lage sind sie zu ernähren, oder es sich um Länder handelt, in denen Krieg herrscht. Daher wäre es sehr unverantwortlich zu glauben, dass diese Kinder unter den gleichen Bedingungen wie ein Baby in Deutschland gezeugt und geboren wurden.

Eine Adoption ist eine sehr große Verantwortung. Bei einer Adoption muss man nicht nur bereit sein, dem Kind gegenüber Verantwortung zu tragen, es mit Fürsorge, Aufmerksamkeit und Erziehung zu versorgen, sondern sich auch darüber im Klaren sein, dass es Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung, der Gefühlswelt und Erziehung des Kindes geben kann.

Adoptionsformen

Viele Personen und Paare entscheiden sich dazu, mit einer der beiden Adoptionsformen eine Familie zu gründen:

Inlandsadoption
die angehenden Eltern teilen die Nationalität mit ihrem Kind zum Zeitpunkt der Adoption. Es wird in einigen Fällen auch von einer nationalen Adoption gesprochen, in denen das zu adoptierende Kind keine deutsche Staatsangehörigkeit hat, sondern sich auf deutschem Gebiet befindet.
Auslandsadoption
die angehenden Eltern adoptieren ein Kind, das keine deutsche Herkunft hat. In diesem Fall gelten sowohl die deutschen Rechtsvorschriften als auch die des ausgewählten Landes.
Vor einer Auslandadoption müssen sich zukünftige Adoptiveltern an eine im Inland ansässige Auslandsvermittlungsstelle wenden.

Die Eltern wählen einen bestimmten Herkunftsstaat des Kindes aus. Daran schließt sich eine Beratung in von Seminaren oder Gesprächen mit anderen Adoptiveltern oder Fachkräften an. Es erfolgt eine Eignungsprüfung durch diese Vermittlungsstelle, die die Elterneignungsprüfung selbst oder durch das örtliche Jugendamt durchführen kann.

Die Auslandsvermittlungsstelle spricht im Anschluss den Adoptierenden eine Zulassung aus.

Anschließend wird den zukünftigen Adoptiveltern ein bestimmtes Kind vorgeschlagen. Stimmen die Bewerber dem konkreten Kindervorschlag zu, nimmt das für den Wohnort der Adoptierenden zuständige Jugendamt die Bereitschafterklärung in öffentlicher Beurkundung entgegen und übermittelt diese an die Vermittlungsstelle.

Zum Schluss kann im Heimatstaat des Kindes nach dem dort geltenden Recht die Adoption vollzogen werden.

Vor der Einreise des Kindes nach Deutschland sind bei der deutschen Auslandsvertretung vor Ort die Einreisepapiere (Visum) zu beantragen.

Inlandsadoption

Wer an einer Inlandsadoption interessiert ist, wendet sich an das örtliche Jugendamt oder an eine Adoptionsvermittlungsstelle.

In Deutschland können unter gewissen Umständen auch Erwachsense adoptiert werden. Die Adoption eines Volljährigen wird- ebenso wie beim Minderjährigen- vom Familiengericht ausgesprochen und es muss bereits ein Eltern-Kind-Verhältnis bestehen.

Um einen Adoptionsprozess anzustoßen, sind folgende Bedingungen zu erfüllen:

  • Das Mindestalter der Bewerber liegt bei 25 Jahren.
  • Es gibt keine Altersgrenze, jedoch spricht man sich für einen maximalen Altersabstand von 40 Jahren aus.
  • Es müssen psychopädagogische und sozioökonomischen Mindestvoraussetzungen erfüllt werden, um einen Eignungsnachweis zu erhalten.
  • Paare müssen verheiratet sein um das Kind gemeinsam adoptieren zu können.

Bestehen die Bewerber die Bewertungskriterien und gelten als annahmefähig, d.h. erhalten sie dieses Eignungszertifikat, wird die antragstellende Person oder das Paar auf eine Warteliste gesetzt, um einem Minderjährigen zugeordnet zu werden.

Pauschal können keine Angaben gemacht werden, wie lange die Warteliste in Deutschland ist. Einige Paare haben nach 1-2 Jahren ihr Adoptivkind, andere jedoch erst nach 6 Jahren.

Die zuständige Behörde könnte die Adoption verweigern, wenn bei der Bewertung relevante Informationen verschwiegen oder falsch dargestellt werden, oder wenn physische Merkmale oder ein besonderer sozio-familiärer Hintergrund verlangt werden.

Auslandsadoption

Die Adoption eines Kindes ist streng geregelt, um Kinderhandel und illegale Adoptionsvermittlung Einhalt zu gebieten. Daher ist es nur in bestimmten Ländern gestattet, eine Auslandsadoption abzuwickeln. Diese Länder müssen das Haager-Abkommen ratifiziert haben.

Deutschen Staaatsbürgern ist es nur möglich, mittels in Deutschland zugelassener Agenturen ein Kind zu adoptieren. Eine Adoption vor Ort ohne Genehmigung und Mitarbeit deutscher Behörden ist schwierg und manchmal auch illegal. Staatlich anerkannte Agenturen in Deutschland haben Kontakte zu Kinderheimen oder zentralen Adoptionsstellen im Ausland und vermitteln den Adoptionsprozess zwischen deutschen Eltern und ausländischen Behörden.

In Bezug auf Geschlecht oder Alter des Kindes haben deutsche Eltern keine Auswahlmöglichkeiten, da es nach deutscher Rechtauffassung sich sonst um "Menschenhandel" handelt, da das Kind wie eine "Ware" behandelt würde.

Wie läuft ein Adoptionsverfahren im Ausland ab?

Das Verfahren unterscheidet sich nur wenig von dem der nationalen Adoption. Das Verfahren in einer Auslandsadoption läuft folgendermaßen ab:

  • Die Bewerber kontaktieren sogenannte Beratungseltern und diese sichten die Unterlagen der Bewerber und führen Gespräche
  • Die Beratungseltern leiten ein Bericht an die Vermittlungsstelle weiter
  • Die Vermittlungsstelle entscheidet, ob die Bewerber zum Bewerbungsverfahren zugelassen werden
  • Bei positivem Bescheid wird das Jugendamt eingeschaltet und stuft die Bewerber als geeignet ein
  • Es ist ein Gespräch mit dem Psychologen notwendig, der ein Gutachten erstelllt.
  • Die Vermittlungsstelle fällt die entgültige Entscheidung über den Antrag
  • Die angehenden Eltern stellen im Anschluss einen Antrag im Herkunftsland des Kindes

Die Vermittlungsstelle schlägt den Eltern verschiedene Kinder vor. Wenn die Eltern sich für ein Kind entschieden haben, reisen sie in das Herkunftsland und holen es ab.

Es steht jedem Land frei, die Adoption zwischen Ländern zuzulassen oder nicht zuzulassen. Es ist unerlässlich, die Grundlagen oder Anforderungen jedes Einzelnen zu erfüllen, um rechtliche Probleme zu vermeiden.

In China darf nur ein Kind adoptiert werden, während das bulgarische Recht keine internationale Adoption für alleinstehende Männer, gleichgeschlechtliche Paare oder heterosexuelle Paare erlaubt, die nicht in einer zivilen oder religiösen Ehe vereint sind.

Die Wartezeit variiert je nach Herkunftsland. In den osteuropäischen Ländern dauert es in der Regel 8 bis 20 Monate, während es in Lateinamerika 8 bis 30 Monate dauert. In asiatischen Ländern wie Thailand beträgt die Warteliste etwa 24 Monate.

Was kostet eine Adoption?

Inlandsadoption

Vermittlung über das Jugendamt

: kostenfrei

Vermittlung über einen privaten Träger

: ungefähr 5000€

Auslandsadoption

Gebühren des Jugendamts

: 800€

Kosten durch Vermittlungsstelle und Reisen

: 15-18.000€

Die derzeitige Situation in der Adoption in Deutschland

In Deutschland geht die Anzahl der adoptierten Kinder zurück.

Heutzutage gibt es modernere Verfahren in der Reproduktionsmedizin; viele Paare, die wegen Fruchtbarkeit Kinderlos sind, entscheiden sich immer häufiger für Methoden wie Leihmutterschaft oder ICSI/IVF um somit ein eigenes leibliches Kind haben zu können. Auch mit Eizellenspenden, für die viele kinderlose Paare aus rechtlichen Gründen ins Ausland reisen, ist es möglich, leibliche Kinder zu bekommen.

Laut Studien lassen sich zwischen 70 und 90% der Adoptionsbewerbungen auf eine Unfruchtbarkeit zurückführen.

Die Möglichkeit nun ein eigenes leibliches Kind mittels moderner Methoden in der assisterten Reproduktion zu bekommen, wirkt sich auf die Zahl der Adoptionen aus:

  • 2006 wurden noch 4748 Kinder und Jugendliche adoptiert
  • 2016 waren es nur noch 3976 Kinder und Jugendliche
  • Für eine Adoption haben sich 2006 9154 Paare beworben
  • Im Vergleich gab es 2016 nur noch 5266 Bewerber

Wie oben erwähnt sind eine der Gründe für den Rückgang in der Adoption die besseren Methoden der Reproduktionsmedizin.

Auch wenn die Zahlen rückläufig sind, kommen immer noch im Schnitt sechs Bewerberpaare auf jedes Kind.

Zudem hat sich in den letzten Jahren das traditionelle Familienbild gewandelt. Heute gibt man ein Kind seltener zur Adoption frei, denn Alleinerziehende sind keine Randgruppen mehr und stehen unter weniger Druck, ihr Kind abzugeben. Außerdem erfahren verschiedene Familienformen immer mehr gesellschaftliche und rechtliche Akzeptanz.

Für Sie empfohlen

Der Adoptionsprozess ist zwar langwierig, bietet aber vielen Personen die Möglichkeit, eine eigene Familie zu gründen. Auch die Leihmutterschaft ist eine Alternative, unterscheidet sich aber komplett von der Adoption: Was ist die Leihmutterschaft?

Es gibt außerdem die Möglichkeit, ein Kind über eine Pflegefamilie aufzunehmen. Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, haben wir folgenden Artikel für Sie bereitgestellt: Was ist eine Pflegschaft?

Fragen die Nutzer stellten

Kann man einen Säugling adoptieren?

durch Natalia Alvarez (projektmanagerin von babygest).

Ja, die meisten zur Adoption freigegebenen Kinder sind Säuglinge. Allerdings können leibliche Eltern frühestens acht Wochen nach der Geburt das Kind zur Adoption freigeben

Können Alleinstehende auch Kinder adoptieren?

durch Natalia Alvarez (projektmanagerin von babygest).

In Deutschland können Alleinstehende adoptieren. Das Mindestalter liegt bei 25 Jahren.

Ist eine offene Adoption in Deutschland möglich?

durch Zaira Salvador (embryologin).

Ja, in Deutschland ist eine offene Adoption möglich; dabei kann das Kind weiterhin Kontakt zur biologischen Familie halten, auch wenn keine rechtlichen Beziehungen durch die Adoption mehr bestehen.

Jedoch ist diese Form der Adoption in Deutschland recht selten.

Was kostet eine Adoption?

durch Natalia Alvarez (projektmanagerin von babygest).

Eine Inlandsadoption übers Jugendamt kostet nichts. Wenn über einen privaten Träger ein Kind vermittelt weird, liegen die kosten bei 5000€.

Entscheiden sich die Bewerber für eine Auslandsadoption übers Jugendamt, liegen die Gebühren bei 800€. Erfolgt eine Adoption über eine Vermittlungsstelle, liegen die Kosten bei 15-18.000€.

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Literaturverzeichnis

Bundeszentralstelle für Auslandsadoption: Internationale Adoption; Hinweise zur grenzüberschreitenden Adoption von Kindern: [hier]

Wie läuft ein Adoptionsverfahren ab? Bayerisches Landesjugendamt- Zentrum Bayern Familie und Soziales.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen der Adoption in Deutschland: [hier]

Anzahl der Adoptionen in Deutschland: Statistisches Bundesamt Deutschland.

Fragen die Nutzer stellten: 'Kann man einen Säugling adoptieren?', 'Können Alleinstehende auch Kinder adoptieren?', 'Ist eine offene Adoption in Deutschland möglich?' Und 'Was kostet eine Adoption?'.

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Autoren und Mitwirkende

 Natalia Alvarez
Natalia Alvarez
Projektmanagerin von Babygest
Abschluss in Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Alicante. Sie verfügt über mehr als 9 Jahre Erfahrung im Bereich der assistierten Reproduktion und war Schöpferin und Leiterin der ersten Messe für assistierte Reproduktion in Spanien. Sie ist die Direktorin von Babygest und ist eine Expertin auf dem Gebiet der Leihmutterschaft, weil sie in all diesen Jahren die Möglichkeit hatte, hunderte von realen Fällen von Paaren kennenzulernen, die Behandlungen für Leihmutterschaft durchgeführt haben, und kennt die besten Fachleute und internationalen Kliniken. Mehr über Natalia Alvarez
 Romina P.
Romina P.
Babygest Staff
Chefredakteurin und Übersetzerin für die englische und deutsche Ausgabe von Babygest. Mehr über Romina P.

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