Der Embryotransfer

durch (embryologin) Und (babygest staff).
Aktualisiert am 26/09/2019

Die Leihmutterschaft ist ein reproduktiver Prozess, bei dem eine Frau das Baby einer anderen Frau, eines anderen Mannes oder eines anderen Paares austrägt und es ihnen nach der Geburt übergibt. Um schwanger zu werden, wird eine In-vitro-Fertilisation (IVF) durchgeführt, entweder mit Eizellen und Samen von zukünftigen Eltern oder von einem Spender. Auf jeden Fall werden die Embryonen nach der Gewinnung kultiviert und schließlich in die Gebärmutter der Leihmutter übertragen. Auf diese Weise können sie sich einnisten, um eine Schwangerschaft herbeizuführen.

Bei der Durchführung des Transfers sind verschiedene Aspekte zu berücksichtigen, darunter der Zeitpunkt des Transfers, die Anzahl der zu transferierenden Embryonen und die Art der Vorbereitung, damit das Endometrium zu der Aufnahme von Embryonen bereit ist.

Transfer lieber am 3. oder am 5. Tag?

Es gibt Babys, die aus Transfers am zweiten, vierten oder sechsten Tag geboren wurden; häufiger ist aber den Transfer am dritten oder fünften Tag ihrer Entwicklung durchzuführen. Der Hauptgrund dafür ist, dass es möglich ist, die Qualität entsprechend ihrer Entwicklung bis zu diesem Zeitpunkt zu bewerten.

Am 2. Tag ist es noch zu früh, um zu wissen, ob die Entwicklung ausreicht, denn es fehlen noch einige Informatinoen. Andererseits befindet sich der Embryo am vierten Tag im Morula-Stadium und es gibt keine zuverlässige standardisierte Bewertung dieses Entwicklungsstadiums, so dass es besser ist bis zur Blastozyste (Tag 5) zu warten, um mehr Informationen darüber zu erhalten.

Wenn der Transfer am 3. Tag erfolgt, bedeutet dies, dass 3 Tage vergangen sind, seit die Eizelle mit einem Sperma befruchtet wurde, so dass der Embryo mindestens 72 Stunden alt ist. In diesem Zellstadium hat der Embryo 6-8 Zellen. Das ist ein Zeichen für eine gute embryonale Qualität, wenn alle Zellen gleich groß sind ein homogenes Aussehen haben.

Beim Transfer am 5. Tag, nach einer fünftägigen Kultur, haben die Embryonen das Blastozystenstadium erreicht. In diesem Stadium erwirbt der Embryo eine charakteristische Morphologie: Er besteht aus mehr als 100 Zellen und es werden zwei verschiedene Zelltypen unterschieden, die Trofoectoderm-Zellen und die innere Zellmasse. Um die embryonale Qualität zu bestimmen, wird das Aussehen beider Zelltypen sowie der Expansionsgrad der Blastozyste beobachtet.

Je nach Anzahl und Qualität der Embryonen wird entschieden, ob am 3. oder 5. Tag transferiert wird; diese Entscheidung wird vom Ärzteteam getroffen. Jeder Embryo hat eine unterschiedliche Wachstumsrate und damit eine unterschiedliche Teilungsrate, so dass es sehr häufig vorkommt, dass es im gleichen Zyklus einige „fortgeschrittener" und einige "langsamere" Embryonen gibt. Die grundlegenden Aspekte bei der Auswahl des besten Embryos für den Transfer sind der Zellteilungsrhythmus und die embryonale Morphologie.

Anzahl der zu transferierenden Embryonen

Vor Beginn der IVF-Behandlung sollten die Leihmutter und die Wunscheltern den Embryotransfer besprechen und ihre Vorlieben festlegen.

  • Die Eltern (oder Vater/Mutter bei Singles) sollten überlegen, ob sie bereit sind, Zwillinge zu bekommen; diese Möglichkeit ist je nach Anzahl der übertragenen Embryonen wahrscheinlicher. Wenn zwei Embryonen übertragen werden, ist die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft größer, aber auch das Risiko, zwei Babys statt eines zu bekommen.
  • Die Leihmutter muss sich entscheiden, ob sie bereit ist, mehr als einen Embryo übertragen zu lassen, wobei sie sich aller Risiken einer Zwillingsschwangerschaft und einer Mehrlingsgeburt bewusst ist.

Unter Berücksichtigung der von beiden Parteien getroffenen Vereinbarung und des Zustands der Embryonen wählt das Laborpersonal den Embryo mit den besten Chancen auf eine Einnistung aus oder die besten Embryonen im Falle eines Tranfers von mehreren Embryonen.

Gefrorene oder frische Embryonen?

Nach der Befruchtung und Entwicklung der Embryonen im Labor überträgt man sie meistens frisch d.h. in dem gleichen Zyklus, in dem sie entstehen, ohne gefroren oder aufgetaut zu werden. Es gibt jedoch bestimmte Situationen, in denen es notwendig sein kann, einen verzögerten Transfer durchzuführen, d.h. von Embryonen, die in einem anderen Zyklus eingefroren wurden.

Ein Transfer von gefrorenen Embryonen kann erforderlich sein, wenn:

  • Der Transfer bei Zyklen verschoben werden muss, in denen das Endometrium für den frischen Transfer nicht ausreichend vorbereitet wurde.
  • Eine PID notwendig ist: Wenn die Biopsie am 3. Tag durchgeführt wird, können die Embryonen bis zum 5. Tag in Kultur belassen werden, ohne sie einzufrieren. Wenn dies jedoch am 5. Tag geschieht, wäre es notwendig, sie einzufrieren, bis die Ergebnisse vorliegen, und zu entscheiden, welcher oder welche übertragen werden sollen.
  • Es werden gespendeten Embryonen aus einer Embryonenbank verwendet.
  • Gefrorene Embryonen aus einem früheren IVF-Zyklus verfügbar sind.

Das Laborpersonal berät Sie gerne und versucht, die Embryonen möglichst frisch zu verwenden, da bessere Ergebnisse erzielt werden als bei gefrorenen.

Medikamente und Transferverfahren

Vor dem Transfer ist es sehr wichtig, das Endometrium der Frau vorzubereiten, um sicherzustellen, dass es in optimalem Zustand ist, um die Embryonen zu empfangen und ihre Einnistung zu ermöglichen. Zu diesem Zweck werden in der Regel hormonelle Medikamente verabreicht, obwohl der Transfer aber auch im natürlichen Zyklus durchgeführt werden kann. Die Leihmutter erhält drei Arten von Medikamenten zu drei verschiedenen Zeiten:

  • Erste Phase mit oralen Verhütungsmitteln oder GnRH-Antagonisten, um die natürliche Hormonausschüttung aus dem Eierstock zu stoppen.
  • Zweite Phase mit Östrogenen, um das Wachstum des Endometriums zu stimulieren und so die richtige Dicke und Struktur zu erhalten.
  • Dritte Phase mit Progesteron, um die endometriale Vorbereitung abzuschließen und die Entwicklung der Schwangerschaft in der ersten Phase zu fördern.

Sobald das Endometrium bereit ist, wird der Embryo transferiert. Es ist ein einfacher Prozess, bei dem die Embryonen mit einem Ultraschallgerät in die Gebärmutter der Leihmutter eingebracht werden. Der gesamte Prozess dauert einige Minuten und besteht aus den folgenden Schritten:

  • Ein Spekulum wird in die Vagina eingeführt und diese mit Kochsalzlösung gereinigt.
  • Der Gebärmutterhals wird gereinigt und der Gebärmutterschleim wird abgesaugt, so dass er den Transfer nicht stört.
  • Die Embryonen werden durch den Katheter (im Labor) abgesaugt.
  • Der Katheter wird durch die Vagina in die Gebärmutter eingeführt.
  • Die Embryonen werden sanft in die Gebärmutterkuppe eingebracht.
  • Der Katheter wird langsam entfernt.

Der Embryotransfer ist völlig schmerzfrei, erfordert keine Anästhesie oder jegliche Art von Betäubung. Nach dem Einsetzen der Embryonen muss die Frau sich etwa 20 Minuten in der Klinik ausruhen. Danach kann die Leihmutter ganz normal ihrem Alltag nachgehen.

Fragen die Nutzer stellten

Wird der Embryotransfer verschoben, wenn eine PID gemacht wird oder die Embryonen aus einer Spende stammen?

durch Sara Salgado (embryologin).

Das hängt davon ab, wann die Biopsie für die PID durchgeführt wird oder wann sich die gespendeten Embryonen entwicklen. Wenn die PID am 3. Tag durchgeführt wird, können die Embryonen am 5. Tag frisch übertragen oder für einen späteren Transfer eingefroren werden, entweder am 3. Tag, unmittelbar nach dem Auftauen, oder am 5. Tag, wobei sie zwei Tage lang nach dem Auftauen in Kultur bleiben. Erfolgt die Biopsie jedoch am 5. Tag, müssen die Embryonen unbedingt eingefroren werden.

Im Falle von gespendeten Embryonen hängt dies auch vom Protokoll ab, das vom Kinderwunschzentrum eingehalten wird. Der Transfer kann erfolgen, sobald die Embryonen aufgetaut sind, oder man wartet ihre Entwicklung ab.

Warum wird der Transfer nicht am 2. oder 4. Tag gemacht, wenn der Embryo sich im Morulastadium befindet?

durch Sara Salgado (embryologin).

Weil es nicht genügend Informationen gibt, um eine angemessene Beurteilung der Embryoqualität und damit die Auswahl des besten Embryos zu ermöglichen. Am zweiten Tag besteht der Embryo nur aus 4 Zellen, so dass er keine ausreichenden Informationen über die Teilungsraten oder die embryonale Morphologie liefert, da es vorkommen kann, dass die Embryonen zunächst sehr gut aussehen, aber später Veränderungen auftreten.

Andererseits gibt es am 4. Tag genügend Informationen über ihre Entwicklung bis zum 3. Tag, aber da sie sich erst zu verdichten begonnen hat (Morula bildend), ist nicht bekannt, ob sie zu einer geeigneten Blastozyste führen wird, die am 5. Tag beurteilt werden kann.

Daher ist es sinnvoller, die embryonale Entwicklung bis zum dritten Tag zu überwachen, wenn der Embryo 8 Zellen hat, oder bis zum fünften Tag, wenn sich der Embryo bereits im Blastozystenstadium befindet.

Wann nisten sich die Embryone nach dem Transfer ein?

durch Sara Salgado (embryologin).

Um den Embryo zu implantieren, muss er eine Blastozyste bilden, sich ausdehnen und die Zona pellucida (die äußere Schicht, die ihn umgibt) verlassen, so dass die Implantaton erst 6-7 Tage nach der Befruchtung beginnt. Wenn der Transfer am 3. Tag erfolgt, würde es weitere 2-3 Tage bis zur Implantation dauern und beim 5. Tag weitere 1 oder 2 Tage.

Kann die Pause beeinflussen, ob die Übertragung positiv oder negativ ist?

durch Sara Salgado (embryologin).

Eine 20-30-minütige Pause in der Kinderwunschklinik reicht in der Regel aus. Die Patientin kann ganz normal ihrem Alltag nachgehen, sie muss sich nicht mehr ausruhen und auch nicht ihre üblichen Aktivitäten einstellen. Man muss bedenken, dass sich die Frau in einer natürlichen Schwangerschaft auch nicht ausruht, da sie nicht weiß, dass eine Befruchtung stattgefunden hat und dass Embryonen versuchen, sich in das Endometrium einzunisten.

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Wie wir gesehen haben, ist bei der Entscheidung, wie viele Embryonen transferiert werden sollen oder an welchem Tag der Transfer am besten durchgeführt wird, die Embryoqualität ein Schlüsselfaktor: Um eine gute Embryoqualität zu erreichen, ist einer der wichtigsten Aspekte, dass die Bedingungen für die In-vitro-Kultur optimal sind damit eine gute Embryonenentwicklung möglich ist. Hier erfahren Sie, wie Embryonen kultiviert werden und welche Entwicklungsstadien sie durchlaufen: Die Embryogenese.

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Literaturverzeichnis

Autoren und Mitwirkende

 Sara Salgado
Sara Salgado
Embryologin
Abschluss in Biochemie und Molekularbiologie an der Universidad del Pais Vasco (UPV/EHU), mit Masterabschluss in assistierter Reproduktion an der Universidad Complutense de Madrid (UCM). Universitätsabschluss in Genetischer Diagnostik an der Universidad de Valencia (UV). Mehr über Sara Salgado
Auf deutsch angepasst von:
 Romina P.
Romina P.
Babygest Staff
Chefredakteurin und Übersetzerin für die englische und deutsche Ausgabe von Babygest. Mehr über Romina P.

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