Fehlbildungen im Uterus: Besteht Gefahr für eine Schwangerschaft?

durch (gynäkologe), (embryologin) Und (babygest staff).
Aktualisiert am 30/08/2019

Die Form der Gebärmutter hat einen direkten Einfluss auf die Schwangerschaft, da in diesem Organ das embryonal-fötale Wachstum stattfindet. Gebärmutteranomalien oder Uterusfehlbildungen sind das Ergebnis einer Störung in der normalen Entwicklung der Gebärmutter und können zu Einnistungsversagen und wiederkehrenden Fehlgeburten führen. Sie sind daher eine der Gründe warum manche Frauen auf eine Leihmutterschaft zurückgreifen müssen.

Einige der häufigsten Uterusfehlbildungen sind: Uterus bicornis, Uterus didelphys und Uterus septus. In diesem Artikel erklären wir Ihnen, woraus sie bestehen und welche anderen Anomalien dieser Art es gibt, sowie ihren Einfluss zum Zeitpunkt der Schwangerschaft und die empfohlenen Behandlungen.

Im Anschluss finden Sie ein Inhaltsverzeichnis mit allen Punkten, die wir in diesem Artikel behandeln.

Angeborene Uterusfehlbildungen

Die Gebärmutter, fachsprachlich Uterus, wird aus embryonalen Strukturen gebildet, die Müller-Gänge genannt werden. Während der Embryogenese oder Embryonalentwicklung entwickeln sich die Müller-Gänge zu Gebärmutter, Eileitern, Gebärmutterhals und einem Teil der Scheide.

Die Differenzierung des weiblichen Fortpflanzungssystems erfolgt in drei Schritten:

  1. Bildung der Müller-Gänge
  2. Verschmelzung dieser Kanäle
  3. Resorption oder Verschwinden der Scheidewand, die sie trennt.

In der männlichen Entwicklung verschwinden diese Kanäle durch das Vorhandensein des antimüllerischen Hormons, so dass dem Mann eine Gebärmutter und die Fähigkeit zur Schwangerschaft fehlen.

Treten während der Embryonalentwicklung Fehler auf, können angeborene Gebärmutterfehlbildungen auftreten. Durch die gestörte Entwicklung der Müller-Gänge nimmt die Gebärmutter eine abnormale Form an.

Ursachen, Symptome und Folgen

Veränderungen während der Differenzierung in den Müller-Gängen können eine genetische Ursache haben oder z.B. auf pränatale Umgebungseinflüsse zurückzuführen sein:

  • Strahleneinwirkungen auf den Embryo
  • Infektion in der Gebärmutter
  • Toxika mit teratogener Wirkung (z.B. Diethylstilbestrol, DES)

Diese Fehlbildungen sind bei etwa 5,5% der weiblichen Bevölkerung vorhanden. Betrachtet man nur Frauen, die sich einer Kinderwunschbehandlung unterziehen, so steigt der Prozentsatz auf 8%. Wenn man nur Patientinnen einbezieht die an wiederholten Fehlgeburten und diagnostizierter Unfruchtbarkeit leiden steigt der Anteil auf 24,5% der untersuchten Frauen.

Daher lässt sich schließen, dass diese Erkrankung eine Schwangerschaft erschweren kann, da sie eine bedeutende Ursache für wiederholte Fehlgeburten ist. Ihre Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit hängen von der Art sowie dem Schweregrad der Gebärmutterfehlbildung ab.

Bei vielen Frauen treten keine Symptome auf, und erst bei einem routinemäßigen gynäkologischen Ultraschall oder Schwangerschaftswunsch wird bei ihnen die Diagnose gestellt. Die Symptome variieren auch je nach Art und dem Schweregrad der Anomalie.

Klassifizierung von Gebärmutterfehlbildungen

Die Gebärmutterformen, die sich aus einer Veränderung in der embryonalen Entwicklung der Müller-Gänge ergeben können, sind sehr vielfältig. Hier erklären wir Ihnen die häufigsten:

Küster-Hauser-Syndrom

Bei dieser Fehlbildung ist keine Gebärmutter vorhanden da die Müller-Gänge nicht gebildet wurden. Diese Erkrankung führt zum sogenannten Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom. Charakteristisch ist ebenfalls bei Patientinnen, dass Eileiter, Gebärmutterhals sowie ein Teil der Vagina fehlen. Sie entwickeln trotzdem funktionelle Eierstöcke, so dass sie ihre eigenen Eizellen haben und ein normaler Eisprung stattfindet.

Jedoch kommt es zur Amenorrhö (Fehlen der Menstruation), da die oben genannten Strukturen fehlen.

Sie wird in der Regel vor dem 20. Lebensjahr diagnostiziert, vor allem durch Amenorrhö und schmerzhaften Geschlechtsverkehr; ebenso dadurch dass keine Penetration möglich ist, da ein Stück der Vagina fehlt.

Heutzutage sind die genauen Ursachen dieser Anomalie unbekannt, aber einige Hypothesen deuten darauf hin, dass mehrere Gene und mehrere Faktoren beteiligt sein können, wie z.B. das Fehlen bestimmter Sexualhormonrezeptoren in den Müller-Gängen.

Frauen, die diese Anomalie haben, können nur auf Leihmutterschaft oder Gebärmuttertransplantation zurückgreifen, um ein biologisches Kind zu bekommen. Obwohl keine Gebärmutter vorhanden ist, können durchaus Eizellen vorhanden sein, weshalb die Patientin ihre eigenen Eizellen verwenden kann ohne auf eine Ovodonation (Eizellenspende) angewiesen zu sein.

Uterus unicornis

In diesem Fall wird nur einer der Müller-Gänge entwickelt. Das Ergebnis ist eine kleinere, gekrümmte, längliche Gebärmutter mit einem einzigen Eileiter. Dadurch hat sie eine ähnliche Form wie eine Banane. Entspricht etwa 20% der angeborenen Gebärmutterfehlbildungen.

Es gibt vier Subtypen des Uterus unicornis:

  • Ohne rudimentärem Horn (35% der Fälle).
  • Mit rudimentärem Horn, in dem ein Cavum vorhanden ist, der zur entwickelten Seite hin kommuniziert (10%).
  • Mit rudimentärem Horn, das einen Hohlraum darstellt, der nicht zur entwickelten Seite hin kommuniziert (22%): Kann Endometriose und Adenomyose verursachen.
  • Mit rudimentärem Horn ohne Cavum uteri (Gebärmutterhöhle) (33%).

Es ist zu beachten, dass Frauen mit dieser Anomalie trotz nur eines Horns in der Regel zwei Eierstöcke haben. Es können auch beide Eileiter vorhanden sein.

Wenn auch möglich, ist das fetale Wachstum bei diesem Gebärmuttertyp eher kompliziert. Bei Frauen mit dieser Anomalie ist die Rate an Kaiserschnitt, Frühgeburt und ektopischer Schwangerschaft (außerhalb der Gebärmutter) höher. Deshalb betrifft es ihre Fruchtbarkeit.

Uterus didelphys

Auch als Uterus duplex bekannt, macht sie 5% der Fälle von Gebärmutterfehlbildungen aus. Sie tritt auf, wenn sich beide Kanäle entwickeln, aber nicht miteinander verschmelzen. Deshalb bilden sich zwei kleine unabhängige Gebärmutterhöhlen heraus. In diesem Fall werden auch zwei Subtypen unterschieden:

  • Uterus didelphys bicollis: Jede Höhle hat ihren eigenen Zervikalkanal und ihre eigene Scheide. Sie tritt in zwei Dritteln der Fälle auf.
  • Uterus didelphys unicollis: Es gibt zwei Gebärmutterhöhlen, kommunizieren aber im Muttermund miteinander und es gibt nur eine Vagina.

Sofern keine Scheidenverstopfung vorliegt, ist diese Anomalie asymptomatisch. Wiederkehrende Fehlgeburten und Frühgeburten sind jedoch bei Betroffenen häufig.

Eine Operation zur Behandlung dieser Fehlbildung führt nicht immer zu guten Ergebnissen. Entsprechende Studien dazu sind widersprüchlich.

In jedem Fall hängt der Erfolg der Schwangerschaft von der Größe und der Fortpflanzungsfähigkeit der beiden Höhlen ab. Im Vereinigten Königreich gibt es zum Beispiel eine Frau, die Drillinge zur Welt gebracht hat, obwohl sie eine doppelte Gebärmutter hat.

Uterus bicornis

Sie entsteht durch eine unvollständige Verschmelzung der Müller-Gänge. Sie tritt bei 10% der Patientinnen mit Gebärmutterfehlbildungen auf. Sie haben zwar zwei symmetrische Gebärmutterhöhlen, aber die Hörner sind nicht vollständig entwickelt und kleiner als beim Uterus didelphys.

In diesem Fall hat die Gebärmutter nicht die übliche Form einer umgekehrten Birne, sondern die eines Herzens. Oben erscheint eine Spalte, die den Gebärmutterraum reduziert, in dem sich der Fötus entwickelt. Abhängig vom Ausmaß der Spalte unterscheiden wir:

  • Uterus bicornis unicollis: Die Spalte erreicht die innere Zervixöffnung (Uterus bicornis unicollis mit einem einzelnen Zervix) oder die äußere (Uterus bicornis bicollis mit mit zweifacher Zervix).
  • Uterus bicornis partialis - erstreckt sich nur in die Gebärmutter.

Uterus septus

Tritt bei 55% der Patientinnen mit Gebärmutterfehlbildungen auf. In diesem Fall verschwindet das Septum, das die Müller-Gänge trennte, nicht, sodass die Gebärmutterhöhle durch ein Septum (Scheidewand) getrennt wird. Diese Wand fast die Hälfte des Gebärmutterraums einnehmen (unvollständige Scheidewand) oder sich bis zum Gebärmutterhals erstrecken (vollständige Scheidewand).

Diese Anomalie unterscheidet sich von der vorherigen, weil die Form der Gebärmutter nicht verzerrt ist, d.h. sie hat noch die Form einer umgekehrten Birne.

Sie ist die häufigste Gebärmutterfehlbildung und gleichzeitig die Fehlbildung, mit der es am schwierigsten wird schwanger zu werden. In schweren Fällen in denen nicht operiert wurde, ist eine Schwangerschaft wirklich kompliziert; diese sorgt für eine hohe Rate an wiederkehrenden Fehlgeburten, was eine wichtige Ursache für Unfruchtbarkeit darstellt.

Uterus arcuatus

Einige betrachten diese Anomalie als eine Variante des Uterus septus und andere der normalen Gebärmutter. Sie unterscheidet sich von der ersten dadurch, dass die Scheidewand viel weniger ausgeprägt, aber breiter ist. Aus diesem Grund ähnelt ihre Morphologie in weniger ausgeprägten Fällen der einer normalen Gebärmutter.

Diese Anomalie ist ziemlich verbreitet. Sie ist in der Regel kein Grund für Unfruchtbarkeit, obwohl es zu größeren Komplikationen kommen kann, wenn es darum geht, schwanger zu werden. Bei wiederholten Fehlgeburten kann durchaus eine Operation in Betracht gezogen werden.

Behandlungen um schwanger zu werden

Einige der oben genannten Uterusanomalien können den Transport von Gameten (Eizellen und Spermien) stören, aber nicht unbedingt die Einnistung und embryonale Entwicklung. In diesem Fall würde die In-vitro-Fertilisation (IVF) es der Frau ermöglichen, schwanger zu werden.

Bei der IVF ist es üblich, dass der Spezialist einen Test durchführt, der den Embryotransfer simuliert. Auf diese Weise wird überprüft, ob es eine Verstopfung in der Gebärmutter gibt, die ein Eingreifen erfordert. Mit diesem Test kann gleichzeitig untersucht werden, ob die Gebärmutterhöhle genügend Platz für die Entwicklung des Embryos hat.

Jedoch gibt es auch Fehlbildungen, die einen operativen Eingriff erfordern. Ein Beispiel ist der Uterus septus, der operiert wird, um die Scheidewand zu entfernen. Das Ausmaß der Fehlbildungen muss bewertet werden, um ihre Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und die korrekte Entwicklung der Schwangerschaft zu beurteilen. Techniken wie die Magnetresonanztomographie (MRT) werden zur Charakterisierung und Klassifizierung von Gebärmutteranomalien eingesetzt.

Es ist wichtig, das Nutzen-Risiko-Verhältnis der Operation zu untersuchen, da je nach Schwere des Problems eine Intervention empfohlen wird oder nicht. So kann beispielsweise während der Operation das die Gebärmutterwände bedeckende Gewebe beschädigt werden, weshalb Fruchtbarkeitsprobleme aufgrund von Einnistungsfehler bevorzugt behandelt werden.

Mit neuen chirurgische Techniken wie die Hysteroskopie oder die Laparoskopie muss jedoch der Bauch nicht mehr geöffnet werden, was das Risiko deutlich reduziert.

Schließlich, wenn weder mit der IVF noch mit chirurgischen Eingriffen das Gebärmutterproblem beseitigt wird, gibt es die Möglichkeit der Leihmutterschaft. In diesem Fall ist es eine Frau, Leihmuttergenannt, die für die Betroffene das Kind/die Kinder austrägt.

Fragen die Nutzer stellten

Welche Formen von Gebärmutterfehlbildungen haben die schlechteste Prognose?

durch Dr. Joel G. Brasch (gynäkologe).

Zu den häufigsten angeborenen Gebärmutterfehlbildungen gehören Uterus didelphys, bicornis, unicornis, septus. Angeborene Gebärmutterfehlbildungen werden nicht als Hindernis zur Empfängnis oder zur Einnistung bei IVF angesehen, sondern mit einer Zunahme von Fehlgeburten, intrauteriner Wachstumsretardierung, Frühgeburt, Fehldarstellung, Kaiserschnitt, Bruch eines rudimentären Horns, Gebärmutterhalskrebs, schwangerschaftsauslösende Hypertonie und Plazentainsertationsanomalien in Zusammenhang gebracht. Man geht davon aus, dass es etwa 8% der unfruchtbaren Frauen betrifft. Es gibt keine andere chirurgische Behandlung als die Entfernung eines Septums oder eines rudimentären Horns.

Wird die Leihmutter untersucht um auszuschließen, dass bei ihr keine dieser hier erwähnten Probleme vorliegen?

durch Rebeca Reus (embryologin).

Ja, bei der Leihmutter werden zahlreiche medizinische und gynäkologische Untersuchungen durchgeführt um festzustellen, dass sie gebärfähig ist. Ebenso wird bei ihr überprüft, ob sie emotional in der Lage ist, als Leihmutter tätig zu werden, das heißt, das Kind einer anderen Frau oder eines anderen Paares auszutragen.

Welche Fehlbildungen in der Gebärmutter wirken sich am negativsten auf eine Schwangerschaft aus?

durch Rebeca Reus (embryologin).

Der Uterus septus ist vielleicht die Fehlbildung mit den schwerwiegendsten Auswirkungen in Bezug auf die Fruchtbarkeit. Jedoch kann in vielen Fällen ein chirurgischer Eingriff eine große Hilfe sein.

Welche Fehlbildung des Uterus kommt am häufigsten vor?

durch Rebeca Reus (embryologin).

Der Uterus septus kommt am häufigsten vor.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Diethylstilbestrol (DES) und Gebärmutterfehlbildungen?

durch Rebeca Reus (embryologin).

Es gibt eine Reihe von Uterusanomalien im Zusammenhang mit Diethylstilbestrol (DES), einem synthetischen Östrogen, das bis in die 1970er Jahre verwendet wurde, um das Risiko einer Fehlgeburt zu verringern. Etwa 25% der Frauen, die diesem Medikament während des fetalen Stadiums ausgesetzt sind, haben Veränderungen in den Eileitern, der Gebärmutter, des Gebärmutterhalses oder der Scheide. Die häufigste Fehlbildung bei diesen Frauen ist die T-förmige Gebärmutter.

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Eine der ersten Behandlungsmöglichkeiten bei Gebärmutterfehlbildungen ist die IVF-Technik. In diesem Link erläutern wir Ihnen den Ablauf Schritt für Schritt: Wenn eine dieser Anomalien die Schwangerschaft verhindert oder wiederholt Fehlgeburten verursacht, kann die Leihmutterschaft der reproduktive Weg zur Mutterschaft sein: Wissen Sie, woraus diese Behandlung der assistierten Reproduktion besteht? Wir erklären es Ihnen hier:

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Literaturverzeichnis

Autoren und Mitwirkende

Dr. Joel G. Brasch
Dr. Joel G. Brasch
Gynäkologe
Dr. Joel Brasch ist Arzt und Leiter der 2005 gegründeten Klinik Chicago IVF. Durch die American Board of Obstretics and Gynecology zertifizierter Mediziner mit mehr als 25 jähriger Erfahrung in Kinderwunschbehandlungen und Reproduktionsmedizin. Dr. Brasch ist ebenso Leiter der Abteilung für reproduktive Endokrinologie und Unfruchtbarkeit im Ärztezentrum Mount Sinai. Mehr über Dr. Joel G. Brasch
 Rebeca Reus
Rebeca Reus
Embryologin
Abschluss in Humanbiologie (Biomedizin) an der Universitat Pompeu Fabra (UPF), mit offiziellem Masterabschluss im Labor für klinische Analysen an der UPF und Masterabschluss in Theoretische Grundlagen und Laborverfahren der assistierten Reproduktion an der Universität Valencia (UV). Mehr über Rebeca Reus
Auf deutsch angepasst von:
 Romina Packan
Romina Packan
Babygest Staff
Chefredakteurin des Magazins Babygest auf Deutsch. Mehr über Romina Packan

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