Welche Tests zur Bestimmung der Fruchtbarkeit von Frauen gibt es?

durch (embryologin), (gynäkologe) Und (babygest staff).
Aktualisiert am 10/09/2019

Um die Fruchtbarkeit von Frauen zu untersuchen, werden eine Reihe von Tests durchgeführt, darunter transvaginaler Ultraschall, Bluthormonanalyse und Hysterosalpingographie. Die erhaltenen Ergebnisse dienen dem Facharzt, den Zustand der Fruchtbarkeit der Patientin anzuzeigen und somit festzustellen, welche die am besten geeignete assistierte Reproduktionsbehandlung ist, um eine Schwangerschaft zu erreichen.

In diesem Artikel erklären wir, was die wichtigsten Fruchtbarkeitstests bei Frauen sind.

Vollständige gynäkologische Untersuchung

Die wichtigste Untersuchung in der Gynäkologie ist der vaginale Ultraschall. Mit Ultraschall überprüft der Facharzt den Zustand der Gebärmutterhöhle und der Eierstöcke. Auf diese Weise kann man erkennen, ob eine Veränderung oder Anomalie vorliegt, die die Empfängnis behindern kann.

Darüber hinaus können wir durch diesen Test eine Antralfollikelzählung durchführen, um eine ungefähre Vorstellung von der Eierstockreserve der Frau zu bekommen. Ist der Wert gleich oder größer als 8 Follikel, deutet das in der Regel auf eine gute Ovarialreserve hin. Follikel sind Strukturen des Eierstocks, in denen sich Eizellen entwickeln und vor dem Eisprung reifen.

Ein weiterer Test, der in der Regel im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung durchgeführt wird, ist die Zytologie, auch bekannt als Pap-Test. Eine kleine Probe von Zellen aus dem Gebärmutterhals wird für die Untersuchung entnommen. Dieser Test kann Infektionen und Veränderungen bei Zellen erkennen, die auf die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs hinweisen können.

Analyse weiblicher Hormone

Der Menstruationszyklus einer Frau wird durch Hormone reguliert. Jede Unregelmäßigkeit im Hormonspiegel kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, so dass eine Analyse zur Bestimmung des Hormonspiegels im Blut eine große Hilfe ist wenn es darum geht, den Fruchtbarkeitsstatus von Frauen zu bestimmen.

Im Allgemeinen wird die Blutuntersuchung am dritten Tag des Eierstockzyklus durchgeführt berücksichtigt man dabei dass der Zyklus am ersten Tag der Menstruation beginnt. Es ist auch möglich, dass einige Hormone, wie z.B. Progesteron, am 21. Tag des Menstruationszyklus getestet werden.

Eine Vielzahl von Hormonen kann in diese Analyse einbezogen werden. Die wichtigsten für die Fruchtbarkeit sind:

  • FSH (follikelstimulierendes Hormon): ein von der Hypophyse freigesetztes Gonadotropin, das für die Aktivierung der Eierstockentwicklung verantwortlich ist. Seine Normalwerte liegen zwischen 3 und 10 mIU/mL. Werte unter 6 deuten auf eine ausgezeichnete Ovarialreserve hin, Werte von 6 bis 9 sind gut, 9 bis 10 mäßig und über 10 deuten in der Regel auf eine niedrige Ovarialreserve hin.
  • LH (luteinisierendes Hormon): ist auch ein von der Hypophyse freigesetztes Gonadotropin, das seine Funktion auf den Eierstock ausübt und den Eisprung verursacht. 2 bis 10 mIU/ml gelten als Normalwert. Es ist wichtig, dass eine Korrelation mit dem FSH von etwa 1:1 besteht. Wenn das Hormon LH dieser Beziehung nicht folgt und höher ist, könnte es ein Indikator für das Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) sein. In diesem Fall wären zusätzliche Tests nötig.
  • Estradiol: Wird vom Eierstock im Laufe der Eizellenentwicklung freigesetzt. Muss einen Blutwert zwischen 25 und 75 pg/ml haben. Am dritten Tag des Zyklus sollte er jedoch am besten unter 50 pg/ml liegen.
  • Prolaktin: Dieses Hormon wird von der Hypophyse freigesetzt. Sein normaler Wert liegt zwischen 0 und 20 ng/ml. Bei sehr hohen Werten entsteht die so genannte Hyperprolaktinämie, die die hormonelle Regulation der Fruchtbarkeit stark beeinträchtigt.
  • Progesteron: Am dritten Tag des Zyklus muss der Wert des Hormons unter 1,5 ng/ml liegen, da es vom Gelbkörper freigesetzt wird und erst beim Eisprung (der normalerweise in der Mitte des Zyklus stattfindet) gebildet wird. Damit der Wert dieses Hormons aussagekräftig ist, muss die Analyse am 21. Zyklustag erfolgen. Zu diesem Zeitpunkt sollte der Blutzuckerspiegel über 5 ng/ml liegen, da dies darauf hinweist, dass der Eisprung stattgefunden hat. Auf jeden Fall sollte sie idealerweise über 10 ng/ml liegen.
  • AMH (Anti-Müller-Hormon) - Dieses Hormon wird von den Follikeln des Eierstocks freigesetzt. Das Hormon gilt als ein guter Indikator für die Ovarialreserve. Es kann an jedem Tag des Zyklus analysiert werden, da das Hormon Zyklusunabhängig ist. Ein AMH-Wert zwischen 0,7 und 3,5 ng/ml ist mit einer guten Ovarialreserve verbunden. Je niedriger die Ovarialreserve, desto niedriger ist der AMH-Wert.

Obwohl es sich hierbei um die untersuchten Basishormone handelt, ist es auch möglich, andere zu analysieren, wie z.B. Schilddrüsen-Stimulationshormon (TSH), freies Thyroxin (T4), freies Triothyronin (T3) oder Testosteron. Obwohl es sich nicht um Sexualhormone handelt, kann die Veränderung ihres Spiegels die Hormone, die den Menstruationszyklus und den Eisprung regulieren, negativ beeinflussen.

Hysterosalpingographie (HSG)

Die Hysterosalpingographie ist ein diagnostischer Test zur Untersuchung der Durchlässigkeit der Eileiter. Da die Befruchtung (Vereinigung von Eizelle und Sperma) in den Eileitern stattfindet, ist es wichtig zu prüfen, ob sie durchlässig sind.

Mit diesem Test kann auch die Struktur der Gebärmutterhöhle analysiert werden.

Ein röntgendichtes Kontrastmittel (eine Flüssigkeit, die keine Strahlung durchlässt und somit eine Visualisierung beim Röntgen ermöglicht) wird durch den Fortpflanzungstrakt der Frau mithilfe eines in die Scheide eingeführten Katheters geleitet. Findet die Flüssigkeit kein Hindernis, gelangt sie in die Beckenhöhle. Wenn hingegen eine Verstopfung in den Eileitern vorliegt, stoppt die Flüssigkeit.

Die Anwendung von Röntgenstrahlen ermöglicht es, den Verlauf des Kontrastes zu visualisieren und zu analysieren, ob eine Verstopfung in den Eileitern sowie eine Fehlbildung in der Gebärmutterhöhle vorliegt.

Das Ergebnis kann so aussehen:

Cotte positiv
zeigt an, dass die Eileiter durchlässig sind, und man kann beobachten wie die Kontrastlösung durch die beiden Eileiter verläuft und in die Bauchhöhle ausgestoßen wird.
Cotte negativ
einseitig oder bilateral bedeutet, dass ein oder beide Eileiter verstopft sind und daher das Kontrastmittel aufgrund ihrer Struktur nicht durchläuft und sich die Eileiter somit aufblasen. Es ist auch möglich, dass die Eileiter aufgrund einer Eileiter- oder Gebärmutterfehlbildung nicht sichtbar sind.

Wenn die Eileiter nur gering verstopft sind, kann dieser Test helfen, die Eileiter zu befreien damit diese wieder durchlässig werden. Das passiert jedoch nur in seltenen Fällen.

Andere ergänzende Tests

In einigen Fällen sind zu den bisher erwähnten Tests zusätzliche Tests erforderlich. Diese Tests sind nur notwendig, wenn man die Untersuchung der Unfruchtbarkeit bei Frauen vertiefen möchte. Die häufigsten sind:

  • Karyotyp:Studie über die Chromosomen einer Frau. Ein Bluttest prüft, ob die Frau einen 46XX-Karyotyp (normal) hat oder ob es eine chromosomale Veränderung gibt, die eine Schwangerschaft behindern kann.
  • Hysteroskopie: ein medizinisches Verfahren, das die Visualisierung des Inneren der Gebärmutterhöhle durch die Einführung einer endoskopischen Kamera ermöglicht. Es handelt sich um einen einfachen und kurzen ambulanten Eingriff. Dadurch sieht man eventuell vorhandene Polypen, Myome und andere Fehlbildungen der Gebärmutter.
  • Endometriale Biopsie: Dazu wird ein kleines Fragment der Gebärmutterschleimhaut für die Analyse im Labor entfernt, um das eventuell vorhandene Krankheitserreger oder Anomalien zu untersuchen, die die Embryonenimplantation oder den Aufstieg von Spermien auf der Suche nach der Eizelle verhindern könnten.

Es gibt auch andere, weniger verbreitete Tests wie Koagulationsstudien, Urinsediment-Analysen usw.

Fragen die Nutzer stellten

Welche Untersuchungen zur Bestimmung der Fruchtbarkeit von Frauen sind am wichtigsten?

durch Dr. Joel G. Brasch (gynäkologe).
  • Blutbild - FSH und E2, Antimüllerhormon (AMH), TSH, Prolaktinprobe
  • Eileiterdiagnostik - Hysterosalpingografie
  • Beckenultraschall mit Antral-Follikel-Zählung

Was kosten Fruchtbarkeitstests bei Frauen?

durch Andrea Rodrigo (embryologin).

Die Kosten können je nach Klinik variieren und kommt darauf an, was diese Tests beinhalten. Daher kann zum Beispiel ein Fruchtbarkeitstest, bei dem eine Hormonanalyse und gynäkologische Untersuchung dabei ist, zwischen 150 und 350€ kosten. Die Hysterosalpingographie (HSG) kostet ungefähr 350€.

Tun diese Tests weh?

durch Andrea Rodrigo (embryologin).

Die gynäkologische Untersuchung tut normalerweise nicht weh, ebenso wenig wie der Bluttest. Die Hysterosalpingografie kann jedoch Schmerzen verursachen. Es gibt Frauen, die die Untersuchung als unangenehm empfinden, so wie bei einer Zytologie oder einer anderen gynäkologischen Untersuchung, und andere wiederum empfinden diesen Test als schmerzhaft.

Übernimmt die Krankenkasse diese Kosten?

durch Andrea Rodrigo (embryologin).

Liegt ein medizinischer Grund für einen Fruchtbarkeitstest der Frau vor, kann über die Krankenkasse abgerechnet werden.

Gibt es zur Hysterosalpingographie(Röntgenkontrastuntersuchung) alternative Untersuchungen?

durch Zaira Salvador (embryologin).

Es gibt die Laparoskopie (Bauchspiegelung), die immer noch recht häufig eingesetzt wird. Sie dient zur Visualisierung von Beckenerkrankungen (z.b. Endometriose) und diese können während der Untersuchung behandelt weren. Die Laparoskopie (LSK) ist ein invasiver Eingriff mit Narkosse und ist mit höheren Kosten verbunden.

Unter den nicht invasiven Verfahren zählt die Ultraschallaschalluntersuchung (HyCoSy). Dabei werden die Eileiter mit einer natürlichen Gellösung gespült und ein dreidimensionales Ultraschallbild macht diese sichtbar. Der Eingriff ist schmerzfrei, da die HyCoSy mit einer leichten Schlafnarkose durchgeführt wird.

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Literaturverzeichnis

Autoren und Mitwirkende

 Andrea Rodrigo
Andrea Rodrigo
Embryologin
Abschluss in Biotechnologie von der Polytechnischen Universität Valencia (UPV) mit Master-Abschluss in Biotechnologie der assistierten menschlichen Reproduktion, unterrichtet von der Universität Valencia in Zusammenarbeit mit dem Valencianischen Institut für Unfruchtbarkeit (IVI). Postgraduierte Expertin für medizinische Genetik. Mehr über Andrea Rodrigo
Dr. Joel G. Brasch
Dr. Joel G. Brasch
Gynäkologe
Dr. Joel Brasch ist Arzt und Leiter der 2005 gegründeten Klinik Chicago IVF. Durch die American Board of Obstretics and Gynecology zertifizierter Mediziner mit mehr als 25 jähriger Erfahrung in Kinderwunschbehandlungen und Reproduktionsmedizin. Dr. Brasch ist ebenso Leiter der Abteilung für reproduktive Endokrinologie und Unfruchtbarkeit im Ärztezentrum Mount Sinai. Mehr über Dr. Joel G. Brasch
Auf deutsch angepasst von:
 Romina Packan
Romina Packan
Babygest Staff
Chefredakteurin des Magazins Babygest auf Deutsch. Mehr über Romina Packan

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