Leihmutterschaft in Indien – Wie ist die neue Rechtslage?

durch (projektmanagerin von babygest) Und (babygest staff).
Aktualisiert am 16/10/2019

Seit 2002 war die Leihmutterschaft für In- und Ausländer eine erlaubte Praxis. Im Jahr 2015 gab es jedoch eine Gesetzesänderung für Ausländer, die nur den heterosexuellen Eheleuten den Zugang erlauben würde, in deren Land diese Fortpflanzungsmethode erlaubt war.

Nachdem im November 2016 das neue Gesetz verabschiedet wurde, ist nur indischen Eheleuten mit Fruchtbarkeitsproblemen der Zugang zur Leihmutterschaft erlaubt. Außerdem muss diese ausschließlich in altruistischer Form erfolgen.

Warum war Indien so beliebt?

Im Laufe des Jahres 2012 wurde Indien zur weltweiten Hauptstadt in der Leihmutterschaft. Tatsächlich stieg nach Angaben der Confederation of Indian Industry (CII), das Geschäft der Leihmutterschaft um etwa 2,3 Milliarden Dollar.

Einige der Gründe, warum für Ausländer Indien das ideale Land war, um Kinder durch Leihmutterschaft zu bekommen, waren folgende:

  • Der Preis, der etwa 5 mal so niedrig war als in den Vereinigten Staaten.
  • Die Einfachheit des Prozesses- denn bis dahin hatte das Gesetz immer die Rechte zukünftiger Eltern anerkannt.

Heute erlaubt das indische Recht nicht mehr allen Ausländern den Zugang zur Leihmutterschaft: Nur noch heterosexuellen Ehepaaren, in deren Land die Leihmutterschaft erlaubt ist.

So können deutsche Paare nach der jüngsten Anwendung neuer gesetzlicher Richtlinien in diesem Land nicht auf die Technik der Leihmutterschaft zurückgreifen. Wir kommentieren ausführlich die rechtlichen Änderungen, die diese Veränderung in der Situation der Leihmutterschaft verursacht haben.

Verabschiedung des neuen Gesetzes

Das geltende indische Recht verbietet es jeden Ausländer, als Tourist mit der Absicht, eine Leihmutterschaft durchzuführen, einzureisen. Dies verpflichtet Wunscheltern, ein spezielles medizinisches Visum zu beantragen, das nur heterosexuellen Paaren erteilt wird, die seit mindestens 2 Jahren verheiratet sind. Diesem Visum müssen die folgenden Dokumente beigefügt werden:

  • Eine eidesstattliche Erklärung von den antragsstellenden Eltern, die sich um die Kinder kümmern, die durch Leihmutterschaft geboren wurden.
  • Ein rechtlicher Vertrag zwischen den zukünftigen Eltern und der indischen Leihmutter.
  • Ein Nachweis, dass der Prozess in einer registrierten und anerkannten Reproduktionsklinik durchgeführt wurde.
  • Ein Schreiben der Klinik, in dem bestätigt wird, dass die Gesamtvergütung für die Leihmutter im Rahmen des Vertrages vollständig bezahlt wurde.

Im Oktober 2015 legte die indische Regierung dem Obersten Gerichtshof einen neuen Gesetzentwurf vor, der darauf abzielt, allen Ausländern die Leihmutterschaft zu verbieten. Es war ein Versuch, den massiven Ansturm von Ausländern mit Kinderwunsch auf der Suche nach einer Leihmutter zu stoppen. Das neue Gesetz wurde am 21. November 2016 unter dem Namen Surrogacy (Regulation) Bill, 2016 verabschiedet.

Das neue Gesetz verpflichtet Ausländer, ein Schreiben ihrer Botschaft einzureichen, in dem sie angeben, dass die Leihmutterschaft in ihrem Heimatland anerkannt ist. Aus diesem Grund ist Indien kein mögliches Land mehr für deutsche Staatsbürger. Das Land wird aber trotzdem noch von Amerikanern oder Australiern nachgefragt.

Was bedeutet diese Gesetzesänderung?

Nach dem Inkrafttreten dieses neuen Gesetzes können nur Personen, die die folgenden Bedingungen erfüllen, auf Leihmutterschaft zurückgreifen:

  • Indischer Herkunft sein, ein in Indien ansässiger Ausländer oder ein mit einem indischen Staatsbürger verheirateter Ausländer
  • Ein heterosexuelles Ehepaar mit Fruchtbarkeitsproblemen
  • Mindestens 5 Jahre verheiratet sein

Ebenso muss die Leihmutterschaft auf altruistische Weise durchgeführt werden und die Leihmutter muss eine nahe Verwandte sein.

Der Premierminister Narendra Modi ist dagegen, dass die Leihmutterschaft zu einem Geschäft wird, das auf die Ausbeutung der Frauen basiert. Deshalb hat er diese neue Verordnung vor den Obersten Gerichtshof gebracht.

Ziel ist es, den Skandalen in Indien über Leihmutterschaft, das "Leihmutterschaftsgeschäft", die so genannten "Frauenfarmen" und, kurz gesagt, das Fehlverhalten in Bezug auf diese Technik ein Ende zu setzen. Länder mit ähnlicher sozioökonomischer Situation, wie Thailand, haben diesbezüglich ebenfalls Gesetzesänderungen vorgenommen.

Leihmutter in Indien werden

Das neue Gesetz sieht vor, dass eine indische Frau die ausdrückliche Zustimmung ihres Ehemannes benötigt, wenn sie am Leihmutterschaftsprozess als Leihmutter teilnehmen möchte. Das zeigt, dass ihre Unabhängigkeit letztendlich vom Mann abhängt.

Dies sind einige der aktuellen Bedingungen, um in Indien Leihmutter zu werden:

  • Jünger als 35 Jahre
  • Mindestens ein eigenes Kind
  • Mit der Unterzeichnung des Vertrages verliert sie das Recht, die Schwangerschaft freiwillig zu beenden (außer in bestimmten Umständen)

Um emotionale Probleme zu vermeiden, darf zudem keine Beziehung zwischen den Wunscheltern und der Leihmutter bestehen und die Leihmutter darf auch keine genetische Beziehung zu dem zukünftigen Baby haben. Das bedeutet, dass die Leihmutter nicht auch als Eizellspenderin fungieren oder sich einer künstlichen Befruchtung unterziehen kann, um schwanger zu werden.

In der Regel wird versucht, dass die Leihmütter in der Nähe der Klinik wohnen und ihre Arbeit einstellen, um sich auf die Betreuung ihrer Familien und die Schwangerschaft zu konzentrieren.

Die Leihmutter erhält einen für indische Verhältnisse hohen finanziellen Ausgleich, weshalb die Mehrheit der Frauen, die sich entscheiden, das Kind einer anderen Person auszutragen, mit dem erhaltenen Geld ihre ganze Familie unterstützt.

Die neue Gesetzgebung verbietet jedoch die kommerzielle Leihmutterschaft und kann nur altruistisch durchgeführt werden. Tatsächlich muss die Leihmutter eine nahe Verwandte des Ehepaars sein, das eine Behandlung benötigt um Nachkommen zu bekommen.

Was die Leihmutterschaft in Indien kostet

Die Kosten einer Leihmutterschaft belaufen sich in Indien ungefähr auf zwischen 20.000 und 30.000€. Dieser Preis ist im Vergleich zu anderen gängigen Reisezielen wie Kalifornien (120.000 €), Utah (80.000 €) Kanada (50.000 €), Russland (35.000-45.000 €) oder der Ukraine (28.000-40.000 €) deutlich niedriger.

Obwohl Leihmütter einen sehr geringen Prozentsatz der Behandlungskosten erhielten (ca. 5.000-8.000 €), war dies in diesem Land ein wichtiger Betrag, da ein Drittel der Bevölkerung in Armut lebt. Tatsächlich gaben einige der Leihmütter an, dass sie dank dieses Geldes ein besseres Leben führen, ihrer Familie ein Zuhause geben, ihren Kindern eine bessere Ausbildung ermöglichen konnten...

Gegner dieser Reproduktionsmethode bestehen darauf, dass die Tatsache, dass sich diese Frauen nur aus rein wirtschaftlicher Not diesem Prozess unterziehen, ethisch nicht akzeptierbar ist, da dies eine Ausbeutung ihrer Körper bedeutet.

Unabhängig von der persönlichen Meinung zu diesem Thema kann die wirtschaftliche Situation des Landes dazu führen, dass diese Frauen von Familienmitgliedern oder mafiösen Strukturen, welche sich um die Leihmutterschaft herum aufgebaut haben, gezwungen oder ausgebeutet werden. Viele bezeichnen dies auch als Frauenfarmen.

Fragen die Nutzer stellten

durch Natalia Alvarez (projektmanagerin von babygest).

Die Leihmutterschaft ist erlaubt, aber nur für heterosexuelle indische oder ausländische Ehepaare aus einem Land, in dem diese Reproduktionsbehandlung erlaubt ist wie zum Beispiel den USA oder Kanada. Indien ist deshalb keine Option mehr für Deutsche oder Bürger aus Ländern, in denen die Leihmutterschaft nicht legal ist.

Kann ein schwules Paar oder ein alleinstehender Mann Vater werden mithilfe einer Leihmutterschaft in Indien?

durch Natalia Alvarez (projektmanagerin von babygest).

Nein, in Indien können alleinstehende sowie homosexuelle Männer mit der Leihmutterschaft in Indien keine Väter werden. Eltern werden können mit dieser Methode nur verheiratete homosexuelle Paare, die die festgelegten Bedingungen erfüllen.

Warum ist eine Leihmutterschaft für Ausländer in Indien nicht möglich?

durch Natalia Alvarez (projektmanagerin von babygest).

Indien ist ein Land, in dem der größte Teil seiner Bevölkerung in Armut lebt, so dass die wirtschaftliche Not der Familien, die Verwundbarkeit der Leihmütter und das Aufkommen des Schwarzmarktes um diese Praxis herum die Regierung die Notwendigkeit einer strengen Regulierung des Prozesses erkennen ließen.

So war die erste Maßnahme, den Zugang zu Ausländern zu beschränken, die mehr als 70-80% der Leihmutterschaftsbewerber im Land ausmachen. Ursprünglich war die Leihmutterschaft nur Ausländern aus einem Land erlaubt, das sie erlaubt, aber das neue Gesetz zielt darauf ab, den Zugang für alle Ausländer zu verbieten.

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Indien ist kein Land für deutsche Wunscheltern. Wenn Sie eine Leihmutterschaftsbehandlung benötigen, empfehlen wir Ihnen, den folgenden Leitfaden mit Ländern zu lesen, die derzeit sicher sind und rechtliche Garantien für Ausländer bieten: Welche Länder sind für deutsche Wunscheltern geeignet?

Andererseits ist Indien ein beliebtes Land, wenn es darum geht, Kinder aus dem Ausland zu adoptieren. Wenn Sie mehr dazu wissen möchten, haben wir diesen Beitrag für Sie: Auslandsadoption: Wie und Wo?

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Literaturverzeichnis

Autoren und Mitwirkende

 Natalia Alvarez
Natalia Alvarez
Projektmanagerin von Babygest
Abschluss in Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Alicante. Sie verfügt über mehr als 9 Jahre Erfahrung im Bereich der assistierten Reproduktion und war Schöpferin und Leiterin der ersten Messe für assistierte Reproduktion in Spanien. Sie ist die Direktorin von Babygest und ist eine Expertin auf dem Gebiet der Leihmutterschaft, weil sie in all diesen Jahren die Möglichkeit hatte, hunderte von realen Fällen von Paaren kennenzulernen, die Behandlungen für Leihmutterschaft durchgeführt haben, und kennt die besten Fachleute und internationalen Kliniken. Mehr über Natalia Alvarez
Auf deutsch angepasst von:
 Romina P.
Romina P.
Babygest Staff
Chefredakteurin und Übersetzerin für die englische und deutsche Ausgabe von Babygest. Mehr über Romina P.

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