Der Kryotransfer: Aufbewahrung und Transfer überzähliger Embryonen

durch (embryologin) Und (babygest staff).
Aktualisiert am 18/10/2019

In einem IVF-Zyklus, sei es der eigene oder der der Leihmutter, werden die überschüssigen Embryonen zu späterer Verwendung eingefroren, falls der erste Transfer nicht zur Schwangerschaft geführt hat oder die Eltern nach der Geburt ihres ersten Kindes ein Geschwisterchen haben möchten.

Dies führt zu einem sogenannten verzögerten Transfer oder Kryotransfer, was nichts anderes ist als die Verwendung von eingefrorenen Embryonen nach dem Auftauen.

Einfrieren von Embryonen

Die normale Anzahl der zu transferierenden Embryonen liegt in der Regel zwischen einem und drei. Auf diese Weise verbessern wir die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft, ohne das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft (Zwillinge, Drillinge...) zu erhöhen. Jedoch kommt es in vielen Fällen vor, dass in einem IVF-Zyklus mehr lebensfähige Embryonen entstehen, als später transferiert zu werden. Daraus resultieren so genannte überzählige Embryonen, die bei -196 °C in flüssigem Stickstoff kryokonserviert werden.

Die hohen Überlebensraten der neuen Kryokonservierungsmethoden ermöglichen es, diese Embryonen in späteren Zyklen wieder für einen späteren Versuch zu nutzen.

Wenn also nach dem Transfer der Embryonen in die Gebärmutter der Leihmutter keine Schwangerschaft erreicht wird, kann ein neuer Versuch unternommen werden, ohne dass die Follikelpunktion und Befruchtung erneut durchgeführt werden muss - vorausgesetzt, es bleiben lebensfähige Embryonen aus dem vorherigen Zyklus übrig und sie wurden eingefroren.

Die aktuelle Methode der Embryokryokonservierung ist die Embryonenvitrifizierung. Dieser Prozess ermöglicht es, die Lebensfähigkeit und Qualität des Embryos nach dem Auftauen oder Devitrifizierung durch einen blitzschnellen Temperaturabfall zu erhalten. Dieser blitzschnelle Temperaturabfall verhindert die Bildung von Eiskristallen im Inneren des Embryos.

Die Vitrifizierung ist ein Kryokonservierungssystem, das die Embryonen praktisch in dem selben Zustand hält, in dem sie eingefroren wurden. Infolgedessen sind die Erfolgsraten beim Transfer eingefrorener Embryonen hoch.

Wie läuft der Kryotransfer ab?

Das Protokoll, das bei eingefrorenem Embryotransfer eingehalten wird, ist einfacher als bei vollständiger IVF, da Follikelstimulation, Follikelpunktion und Befruchtung nicht erforderlich sind.

Diese Schritte werden alle übersprungen und gleich zur Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut der Frau, die schwanger werden wird, übergegangen. Die Schwangere ist unter dem gängigen Begriff Leihmutter bekannt. Die Leihmutter wird auch oft als Ersatzmutter bezeichnet. Dieser Begriff ist jedoch nicht ganz korrekt, da sie keine Mutterfunktion hat und diese auch nicht ersetzt. Besser wäre es daher, von „Leihgebärender“ zu sprechen, da sie die Fähigkeit, Kinder zu gebären, „ausleiht“.

Folgende Schritte werden beim Kryotransfer durchgeführt:

Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut

Die Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut, auch Endometrium genannt, besteht darin, der schwangeren Frau hormonelle Medikamente zu verabreichen, so dass ihre Gebärmutter empfänglich ist und der Embryo sich in sie einnnisten kann, was somit zu der erhofften Schwangerschaft führt.

Der erste Schritt ist die Verabreichung von Östrogen, entweder oral oder in Pflastern. Diese werden normalerweise zwischem dem ersten und dem dritten Zyklustag verabreicht, wenn man davon ausgeht dass die Behandlung am Tag stattfindet, an dem die Menstruation einsetzt.

Um den Zyklus besser zu kontrollieren, ist es möglich, vor dem Transfer von gefrorenen Embryonen orale Kontrazeptiva oder GnRH-Antagonisten im Zyklus zu verabreichen.

Diese Behandlung wird in der Regel 10 bis 13 Tage fortgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt muss der Spezialist über Ultraschall die Entwicklung der Gebärmutterschleimhaut überwachen, um festzustellen, wann der richtige Zeitpunkt für den Transfer ist.

Die empfängliche Gebärmutterschleimhaut zeichnet sich durch einen trilaminaren Aspekt (drei parallele Linien werden im Ultraschall beobachtet) und eine Dicke zwischen 7 und 10 mm aus.

Zusätzlich zu Östrogen erhält eine Frau Progesteron, welches oral oder vaginal verabreicht wird. Es wird allgemein empfohlen, mit der Einnahme von Progesteron drei oder vier Tage vor dem Transfer zu beginnen, um die Bedingungen der Gebärmutter zu verbessern und die Einnistung in das Endometrium zu fördern. Aus diesem Grund muss sich zum Zeitpunkt des Transfers an das Protokoll gehalten werden was die Verabreichung von Progesteron betrifft.

Auftauen von Embryonen

Sobald der ideale Zeitpunkt für den Transfer festgelegt ist, werden die Embryonen aufgetaut. Je nachdem, an welchem Entwicklungstag sie eingefroren wurden und in welchem Stadium sie transferiert werden sollen, werden sie an dem einen oder anderen Tag aufgetaut.

Wenn die Embryonen also am dritten Tag eingefroren wurden und in diesem Stadium übertragen werden sollen, werden sie am selben Tag des Transfers aufgetaut. Sollen sie dagegen im Blastozystenstadium (Tag 5) übertragen werden, werden sie zwei Tage vor dem Transfer aufgetaut und bis dahin in Kultur belassen.

Zum Auftauen (oder Devitrifizierung) werden sie einfach aus der Embryobank entnommen, in welcher sie unter -196°C gelagert wurden, und blitzschnell in einem speziellen Medium bei 37°C eingeführt. Sie müssen dann eine Reihe spezifischer Medien durchlaufen bis sie ihren Vorgefrierzustand wieder erreicht haben.

Es ist wichtig, dass der Übergang von einer Temperatur zur anderen so schnell wie möglich erfolgt.

Embryotransfer

Der Transfer besteht darin, die Embryonen mit Hilfe einer dünnen Kanüle in die Gebärmutter einzulegen. Dazu werden die Embryonen mit einer speziellen Kanüle angesaugt und diese vorsichtig über die Scheide in die Gebärmutterhöhle eingebracht. Dort wird der Inhalt der Kanüle, zu der auch die Embryonen gehören, freigegeben.

Dieses Verfahren ist einfach:

  • Sie kann entweder im Operationssaal oder in der eigenen Praxis des Gynäkologen durchgeführt werden.
  • Eine Anästhesie ist nicht erforderlich.
  • Dieses Verfahren ist schnell: Es dauert nur etwa 15-20 Minuten.
  • Es wird als Ultraschall durchgeführt, d.h. die Gebärmutter wird durch Ultraschall sichtbar gemacht. Dies erleichtert das Einsetzen von Embryonen und verhindert, dass die Gebärmutterhöhle reißt oder beschädigt wird.
Es empfiehlt sich, dass die Patientin, welcher die Embryonen eingelegt werden, mit voller Blase in die Behandlung geht. Dadurch wird dem Gynäkologen die Sicht auf die Gebärmutter erleichtert.

Es ist nicht immer einfach zu entscheiden, ob der Transfer am 3. oder am 5-6. Tag der Embryonalentwicklung erfolgen soll. Bei dieser Entscheidung müssen zahlreiche Faktoren berücksichtigt werden, wie z.B. die Qualität der Embryonen vor und nach dem Einfrieren, die Anzahl der verfügbaren Embryonen, die Geschichte jeder Situation usw.

Eine weitere wichtige Entscheidung für den Transfer ist die Anzahl der zu transferierenden Embryonen, da der Transfer von zwei oder mehr Embryonen die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft erheblich erhöht. Einige der Aspekte, die bei der Entscheidung, wie viele Embryonen übertragen werden sollen, berücksichtigt werden, finden Sie in diesem Artikel:

Leihmutterschaft

In der Leihmutterschaft ist es die Leihmutter, oder auch Leihgebärende genannt, die sich der Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut und dem Embryotransfer unterzieht.

Egal ob es sich um frische oder gefrorene Embryonen handelt, ist in diesem Fall die Behandlung bei der Leihmutter diesselbe.

Normalerweise wird zumindest beim ersten Mal der Frischetransfer versucht. Dazu ist es notwendig, die Zyklen der Leihmutter und der Eizellspenderin (vorzugsweise die zukünftige Mutter oder, falls nicht möglich, eine Spenderin) zu synchronisieren. Wenn dies nicht möglich ist, wird auf ein Kryotransfer zurückgegriffen.

Auch wenn der erste Transfer nicht zu einer Schwangerschaft führt, erfolgt ein darauffolgender Transfer mit überschüssigen Embryonen, die bis zur Schwangerschaft kryokonserviert wurden.

Zum Schluss kann auch nach der Geburt des ersten Kindes bei einem weiteren Kinderwunsch auf die übriggebliebenen Embryonen zurückgreifen, die eingefroren wurden. So ist das zweite Leihmutterschaftsverfahren viel einfacher. Das Verfahren kann mit derselben Leihmutter oder mit einer anderen Kandidatin durchgeführt werden.

Fragen die Nutzer stellten

Wie lange muss man sich nach einem Kryotransfer erholen?

durch Andrea Rodrigo (embryologin).

Egal ob es sich um einen frischen oder Kryotransfer handelt, wird eine Ruhezeit von nur 20-30 Minuten empfohlen. Nach dieser Zeit kann die Patientin eigenständig nach Hause zurückkehren und ihren gewohnten Tagesablauf fortsetzen wenn kein Ausnahmefall vorliegt oder der Arzt etwas anderes sagt.

Was versteht man unter einem Kryotransfer im natürlichen Zyklus?

durch Andrea Rodrigo (embryologin).

Der natürliche Zyklus des Embryotransfers besteht darin, die Embryonen ohne vorherige Behandlung zur Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut zu transferieren. Dazu wird einfach der natürliche Zyklus der Frau kontrolliert und die körpereigene Freisetzung von Östrogenen und Progesteron genutzt.

Das Problem bei diesem Prozess ist, dass natürliche Hormone nicht immer ausreichen, um die Einnistung und Schwangerschaft zu begünstigen. Das hängt von jeder Frau und jedem Fall ab. In der Leihmutterschaft werden Behandlungen im natürlichen Zyklus in der Regel nicht durchgeführt.

Wie misst man die Gebärmutterschleimhaut, um den Moment zu bestimmen, in dem die Kryokonservierung erfolgt?

durch Andrea Rodrigo (embryologin).

Die Messung der Gebärmutterschleimhaut nimmt der Gynäkologe mithilfe eines Vaginalultraschalls vor. Dieses Hilfsmittel erlaubt ihm, die Gebärmutter zu analysieren ohne dabei der Patientin zu schaden.

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Wir haben auch über die Behandlung zur Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut der Leihmutter vor dem Transfer gesprochen. In diesem Artikel erklären wir ausführlich das angewandte Protokoll: Wie wird die Gebärmutterschleimhaut auf den Transfer vorbereitet?

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Literaturverzeichnis

Autor

 Andrea Rodrigo
Andrea Rodrigo
Embryologin
Abschluss in Biotechnologie von der Polytechnischen Universität Valencia (UPV) mit Master-Abschluss in Biotechnologie der assistierten menschlichen Reproduktion, unterrichtet von der Universität Valencia in Zusammenarbeit mit dem Valencianischen Institut für Unfruchtbarkeit (IVI). Postgraduierte Expertin für medizinische Genetik. Mehr über Andrea Rodrigo
Auf deutsch angepasst von:
 Romina P.
Romina P.
Babygest Staff
Chefredakteurin und Übersetzerin für die englische und deutsche Ausgabe von Babygest. Mehr über Romina P.

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