Leihmutterschaft oder Adoption: Was sind die Unterschiede?

durch (projektmanagerin von babygest), (embryologin) Und (babygest staff).
Aktualisiert am 23/04/2019

Es kommt oft vor, dass jedes Mal, wenn einem Freund oder Familienmitglied gesagt wird, dass man keine Kinder bekommen kann, die sofortige Antwort lautet: "Du kannst doch adoptieren. Viele sehen in der Adoption die Lösung für diejenigen, die keine Kinder bekommen können. Die Adoption ist jedoch die Lösung, um diejenigen Kinder zu schützen, die keine Familie haben, die ihnen Erziehung, Stabilität und vor allem Liebe bietet.

Fortpflanzung ist für viele Menschen ein Ziel. Der Mensch ist ein soziales Wesen, das in einer Familiengemeinschaft lebt und die Genetik spielt nach wie vor eine wichtige Rolle. In diesem Sinne ist die Leihmutterschaft eine weitere der Möglichkeiten für Familien, die keine eigenen Kinder bekommen können und die darüber hinaus die Möglichkeit bietet, biologische Kinder zu bekommen.

Um die Unterschiede und damit die Vor- und Nachteile der einzelnen Verfahren eindeutig sehen zu können, haben wir diesen Artikel mit den Schritten, die bei jedem Verfahren zu befolgen sind, verfasst:

Die Adoption Schritt für Schritt

Heute ist die Adoption ein ziemlich langwieriger Prozess, da die Zahl der adoptierbaren Kinder in der Welt abnimmt. Viele Länder haben kein Adoptionsabkommen mit Deutschland, so dass es nicht so einfach ist, ein Kind im Ausland zu adoptieren.

Der Adoptionsprozess selbst kann im Durchschnitt zwischen 2 und 9 Jahren dauern, je nachdem, ob eine inländische oder eine ausländische Adoption gewählt wird. Zuammengefasst sind diese die einzelnen Phasen in einem Adoptionsverfahren:

  1. Die Bewerbung einreichen
  2. Eignungsprüfung
  3. Unterlagen einreichen und auf Antwort warten
  4. In das Herkunftsland reisen (im Falle einer internationalen Adoption)
  5. Ankunft des Minderjährigen
  6. Überprüfung des Kindeswohls im neuen Zuhause
  7. Genehmigung durch den Richter
  8. Standesamt (Eintragung und Änderung des Nachnamens)

Wie wir sehen, ist es ein langer Weg, hat aber den Vorteil, dass die Adoption durch die deutsche Gesetzgebung geregelt ist, was das Verfahren aus rechtlicher Sicht erleichtert.

Die Leihmutterschaft Schritt für Schritt

Leihmutterschaft ist eine Technik, bei der sich ein oder zwei Menschen entscheiden, ein Kind zu bekommen. Es gibt Ihnen die Möglichkeit, ein Kind in die Welt zu bringen und den Alltag einer Schwangerschaft mitzuerleben. Sie beginnen eine assistierte Reproduktionsbehandlung, bei der sie, wenn möglich, ihre eigenen Gameten spenden um einen Embryo zu erzeugen, der wiederum von einer Frau ausgetragen wird, die ihre Fähigkeit zur Schwangerschaft zur Verfügung stellt.

Die Vorfreude auf den Embryotransfer, die Unsicherheit während des Beta-HCG-Tests, der positive Schwangerschaftstest, alle Ultraschalluntersuchungen, die Bekanntgabe des Geschlechts, die ersehnte Geburt.... Kurz gesagt, ein Leihmutterschaftsprozess ist fast genauso als wäre man selbst schwanger.

Das Embryonenschutzgesetz von 1991 verbietet die Leihmutterschaft in Deutschland, weshalb ein Leihmutterschaftsvertrag im deutschen Recht sittenwidrig ist. Das bedeutet zwangsläufig, dass zukünftige Eltern in ein anderes Land reisen müssen, um mit dieser Technik Eltern zu werden. Werfen wir einen Blick auf die nötigen Schritte:

  1. Die Auswahl des Landes
  2. Die Auswahl der Agentur, Anwälte und Kinderwunschklinik
  3. Die Auswahl der Leihmutter
  4. Vertragsunterzeichnung und andere rechtliche Formalitäten
  5. IVF und Embryotransfer
  6. Schwangerschaftskontrolle
  7. Heimreise nach der Geburt
  8. Eintragung in das Standesamt

Der Prozess kann sich jedoch auch in die Länge ziehen: Alles hängt davon ab, wie lange es dauert, die Leihmutter auszuwählen, die rechtlichen Formalitäten, bis die Leihmutter schwanger wird, die Anforderungen des Gesetzes des gewählten Reiseziels und so weiter. Abhängig von diesen und anderen Faktoren kann es im Durchschnitt ein Jahr oder mehr dauern.

Vor- und Nachteile

Vielleicht liegt der große Unterschied zwischen der Entscheidung, ein Kind zu bekommen, und der Adoption eines Kindes am Zweck. Wenn man sich entscheidest, ein Kind zu bekommen, entscheidest man sich für die Fortpflanzung. Wir alle, wenn wir ein Baby sehen, suchen nach Ähnlichkeiten mit Eltern, Großeltern und Onkeln. Wir alle fragen uns, wem das Kind charakterlich an nächsten kommt.

Wenn ein Kind adoptiert wird, wird dagegen alles, was wir darin erkennen können, das sein, was erworben wurde, dürfen aber nicht vergessen, dass das, was erworben wurde, von Geburt an beginnt, von der ersten Minute des Lebens an.

Personen, die sich normalerweise zwischen einem Leihmutterschaft oder einer Adoption entscheiden müssen, sind heterosexuelle Paare mit einer Unfähigkeit zur Schwangerschaft, männliche homosexuelle Paare und alleinstehende Männer. Beide sind von Fall zu Fall sinnvolle Optionen.

Bevor eine Entscheidung getroffen wird, sollten die Vor- und Nachteile jedes Falles abgewogen werden, um genau zu wissen, mit welchem Prozess man konfrontiert sind, unabhängig von der endgültigen Entscheidung. Einige zu vergleichende Faktoren sind:

Genetische Belastung
die Leihmutterschaft gibt mindestens einem oder beiden Elternteilen die Möglichkeit, ihre genetische Belastung beizutragen, während diese Möglichkeit bei der Adoption ausgeschlossen ist.
Wartezeit
wie bereits erwähnt, beträgt die durchschnittliche Wartezeit für die Adoption derzeit 5 Jahre. Dies ist ein wesentlich längerer Zeitraum als ein Leihmutterschaftsprozess, der zwischen 1 und 2 Jahren dauern kann, wenn alles gut geht.
Kosten
beide sind aus wirtschaftlicher Sicht kostspielige Prozesse, so dass wir in diesem Sinne keine Vorteile gegenüber dem anderen finden.
Rechtliche Aspekte
in beiden Fällen müssen zahlreiche Formalitäten erledigt werden und die Einbeziehung von Rechtsanwälten und Rechtsberatern ist notwendig. Da ein großer Teil von der Agentur verwaltet wird, kann die Leihmutterschaft weniger aufwendig sein.
Auswahl
bei der Leihmutterschaft, obwohl vom Land abhängig, haben die Eltern das letzte Wort bei der Auswahl einer Leihmutter, und sie wiederum wählt auch, für welche Eltern sie schwanger werden will. Es handelt sich um einen zweiseitigen Prozess, was bei der Adoption normalerweise nicht der Fall ist.
Begleitung
Wunscheltern können die Leihmutterschaft vom Beginn bis zum Zeitpunkt der Geburt verfolgen, während der Prozess bei der Adoption viel unpersönlicher ist.

Ein Vorteil der Adoption gegenüber der Leihmutterschaft ist, dass sie in Deutschland legal ist, was bedeutet, dass Eltern keine Probleme haben werden, ihr Kind beim Standesamt anzumelden und die rechtlichen Eltern des Kindes zu werden.

Im zweiten Fall hängen die Möglichkeiten davon ab, ob die Vaterschaft durch Adoption oder durch Gerichtsurteil erlangt wird. Wie die Lage in den verschiedenen Ländern ist, erfahren Sie hier: Leihmutterschaft weltweit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Leihmutterschaft und Adoption nichts miteinander zu tun haben. Die erste ist eine medizinische Technik, die es einer Person oder einem Paar ermöglicht, ein Kind zu bekommen, und die zweite ist ein Akt der Solidarität, durch den eine Person oder ein Paar einem Kind ein Zuhause bietet.

Regenbogenfamilien und schwule Paare

Die neuen Familienmodelle, die in der Gesellschaft entstanden sind, wurden nicht nur durch verschiedene assistierte Reproduktionsbehandlungen wie Ei- und Samenspende oder Leihmutterschaft ermöglicht, sondern auch durch Adoption.

Heterosexuelle Paare mit Fruchtbarkeitsproblemen, die nicht in der Lage sind, sich auf natürliche Weise fortzupflanzen, finden in der Adoption ein Mittel um Eltern zu werden. Auch gleichgeschlechtliche Paare, sowohl weibliche als auch männliche, und alleinstehende Menschen wählen die Adoption, um ihre eigene Familie zu gründen.

Die Adoption in Deutschland durch gleichgeschlechtliche Paare ist seit 2017 erlaubt. Seit 2013 ist die Adoption eines bereits durch einen Partner adoptiertes Kind möglich. Davor hatte der andere Partner nur die Möglichkeit, das „kleine Sorgerecht“ (= eingeschränkt) auszuüben.

Auch wenn das deutsche Recht gleichgeschlechtlichen Paaren die Adoption ermöglicht, haben diese praktisch keine Möglichkeit eine Auslandsadoption durchzuführen: Der Großteil der Länder beschränken die Adoption auf heterosexuelle Ehen.

Aus all diesen Gründen stoßen einige dieser Familien auf Schwierigkeiten bei der Adoption, so dass viele von ihnen diese aufgeben und auf eine andere reproduktive Option wie Leihmutterschaft zurückgreifen.

Fragen die Nutzer stellten

Sind das dieselben Länder bei einer Adoption wie bei einer Leihmutterschaft?

durch Zaira Salvador (embryologin).

Das muss nicht so sein, denn die Gesetze für den einen oder anderen Prozess sind unterschiedlich und hängen von jedem einzelnen Land ab.

Zum Beispiel ist es in Russland möglich, zu adoptieren und eine Leihmutterschaft durchzuführen- jedoch nur für heterosexuelle Paare. Andererseits erlauben China, Vietnam, Indien oder Ungarn (wichtigste Länder für Adoptionen) keine Leihmutterschaft für Ausländer.

Auf der anderen Seite sind die die wichtigsten Länder in der Leihmutterschaft für Deutsche die USA, Kanada, die Ukraine, Griechenland, Georgien sowie Russland.

Mehr dazu erfahren sie hier: Welches Land ist für Deutsche am besten?

Kann ich adoptieren, wenn ich bereits ein Kind habe, das durch Leihmutterschaft geboren wurde?

durch Zaira Salvador (embryologin).

Ja, das ist möglich, auch wenn die Adoptiveltern schon ein Kind haben, das durch Leihmutterschaft geboren wurde. Um adoptieren zu können, müssen die Adoptierenden die Anforderungen der deutschen Gesetzgebung erfüllen und eine Eignungsbestätigung erhalten.

Für Sie empfohlen

In Deutschland ist Leihmutterschaft nicht erlaubt, so dass Sie unbedingt in ein anderes Land reisen müssen, in dem sie erlaubt ist, solange die gesetzlich festgelegten Bedingungen erfüllt sind. Wenn Sie mehr über diese Länder wissen möchten, Klicken Sie hier: Wo ist eine Leihmutterschaft möglich?

Wir legen viel Arbeit in die Redaktion der Artikel. Wenn Sie diesen Artikel teilen, helfen und motivieren Sie uns mit unserer Arbeit.

Literaturverzeichnis

https://de.wikipedia.org/wiki/Regenbogenfamilie#Rechtliche_Lage_der_Adoption_durch_gleichgeschlechtliche_Paare

Fragen die Nutzer stellten: 'Sind das dieselben Länder bei einer Adoption wie bei einer Leihmutterschaft?' Und 'Kann ich adoptieren, wenn ich bereits ein Kind habe, das durch Leihmutterschaft geboren wurde?'.

Autoren und Mitwirkende

 Natalia Alvarez
Natalia Alvarez
Projektmanagerin von Babygest
Abschluss in Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Alicante. Sie verfügt über mehr als 9 Jahre Erfahrung im Bereich der assistierten Reproduktion und war Schöpferin und Leiterin der ersten Messe für assistierte Reproduktion in Spanien. Sie ist die Direktorin von Babygest und ist eine Expertin auf dem Gebiet der Leihmutterschaft, weil sie in all diesen Jahren die Möglichkeit hatte, hunderte von realen Fällen von Paaren kennenzulernen, die Behandlungen für Leihmutterschaft durchgeführt haben, und kennt die besten Fachleute und internationale Kliniken. Mehr über Natalia Alvarez
 Zaira Salvador
Zaira Salvador
Embryologin
Abschluss in Biotechnologie an der polytechnischen Universität Valencia (UPV) und Spezialistin für assistierte Reproduktion mit Masterabschluss in Human Reproduction Biotechnology am Instituto Nacional de Infertilidad (IVI) und der Universität Valencia. Mehr über Zaira Salvador
Auf deutsch angepasst von:
 Romina Packan
Romina Packan
Babygest Staff
Chefredakteurin des Magazins Babygest auf Deutsch. Mehr über Romina Packan

Alles über assistierte Reproduktion auf unseren Kanälen.