Ist die Leihmutterschaft moralisch vertretbar?

durch (embryologin) Und (babygest staff).
Aktualisiert am 22/03/2017

Leihmutterschaft ist ein komplexer Prozess der assistierten Reproduktion, insbesondere in Bezug auf die moralischen und bioethischen Folgen, die aus ihr hervorgehen.

In diesem Artikel beschäftigen wir uns über die Auswirkungen und möglichen ethischen Probleme, die sich aus der Leihmutterschaft ergeben.

Ethische Aspekte

Wie wird Moral definiert:

1. Gesamtheit von ethisch-sittlichen Normen, Grundsätzen, Werten, die das zwischenmenschliche Verhalten einer Gesellschaft regulieren, die von ihr als verbindlich akzeptiert werden.

2. sittliches Empfinden, Verhalten eines Einzelnen, einer Gruppe; Sittlichkeit Sinn von durch Recht und Verfassung gestütztem, historisch-kulturell bedingtem Institutionensystem

Zusammenfassend können wir sagen, dass die Moral die Fähigkeit ist, die es uns erlaubt, Gut und Böse zu unterscheiden.

In der heutigen Gesellschaft, frei und voller unterschiedlicher Meinungen und Gedanken, ist es kompliziert, das Akzeptable von dem Unzulässigen zu unterscheiden, da verschiedene Positionen zu einem bestimmten Thema ebenso respektabel und ethisch korrekt sein können.

Neue Reproduktionstechnologien werfen ethische Konflikte auf, die unter Achtung der Sicherheit und der Rechte aller Beteiligten sowie unter Wahrung des allgemeinen Interesses der Gesellschaft und der Einhaltung der geltenden Gesetze gelöst werden müssen.

In diesem Sinne ist die Leihmutterschaft eine der Techniken der assistierten Reproduktion, die das größte ethische Dilemma hervorruft, da sie nicht nur die zukünftigen Eltern und das Baby, sondern auch einen wichtigen dritten Teilnehmer betrifft: die Leihmutter.

Menschenrechte und Leihmutterschaft.

Die Leihmutterschaft wirft viele ethisch-moralische Probleme auf, was bedeutet, dass sie sowohl Verteidiger als auch Kritiker hat, mit ihren eigenen, ebenso vernünftigen Argumenten. Der Schutz der Menschenrechte ist die Grundidee der moralischen Argumentation. In der Leihmutterschaft gäbe es mehrere Rechte, die in Konflikt geraten würden:

  • Recht auf menschliche Freiheit
  • Recht auf Gleichheit
  • Recht auf Fortpflanzung und Familiengründung
  • Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung

Viele der Fragen, die sich aus der Leihmutterschaft ergeben, haben keine einzige Antwort.

Zum Beispiel beim Recht auf menschliche Freiheit: Wo sind die Grenzen, hat die Leihmutter das Recht, mit ihrem Körper zu machen was sie will- oder im Gegenteil, gibt es Handlungen, die nicht erlaubt sind, weil sie den Menschen zum Objekt machen? Beeinträchtigt die Leihmutterschaft die Menschenwürde der Frauen?

Andererseits, was das Recht auf Wissen über die biologische Abstammung betrifft: Wenn die Eltern dem Kind die biologische Herkunft offenbaren müssen, wann und wie sollen sie dies tun, soll das Kind den Spender und die Leihmutter kennen, hat das Kind das Recht dazu?

Im Grundgesetz wird das Recht auf Fortpflanzung nicht erwähnt, obwohl viele glauben, dass dies mit der Anerkennung von Freiheit, Menschenwürde und freier Persönlichkeitsentwicklung verbunden ist.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte kündigt jedoch in ihrem Artikel 16 an:

Männer und Frauen ab dem Zeitpunkt der Eheschließung haben das Recht, ohne Einschränkung aufgrund von Rasse, Nationalität oder Religion zu heiraten und eine Familie zu gründen, und genießen gleiche Rechte in Bezug auf die Ehe, während der Ehe und im Falle der Auflösung der Ehe.

Gibt es also ein Recht auf Fortpflanzung?

All diese Fragen ohne scheinbare Einzellösung müssen auf der Grundlage der Philosophie, der Bioethik und der allgemeinen Moral des Menschen gelöst werden und auf der Grundlage der getroffenen Überlegungen den am besten geeigneten Rechtsweg festlegen.

Grundlegende Rechte der Leihmutter

Die Leihmutterschaft ist eine Technik, die mit den traditionellen Konzepten von Mutterschaft und Fortpflanzung bricht, der Hauptgrund, warum sie große Kontroversen hervorruft. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, die Grundrechte aller Parteien zu gewährleisten, wenn ihr Antrag angenommen wird, denn nur so kann die Leihmutterschaft als eine moralisch akzeptable Praxis angesehen werden.

In Bezug auf die Leihmutter muss diese den Prozess kennen und sich entscheiden, bewusst und völlig freiwillig diesen durchzuführen. Aus diesem Grund ist es oft unerlässlich, schon einmal schwanger gewesen zu sein. Nur so können die Auswirkungen und Konsequenzen, sowohl physiologische als auch ethische, bekannt werden.

Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass ihre Hauptmotivation der Wunsch ist, einer Frau, einem Mann oder einem Paar zu helfen ein Kind zu bekommen. Es ist klar, dass die finanzielle Entschädigung, die sie für die Schwangerschaft erhält, eine Motivation ist, aber es sollte nicht der einzige oder der gewichtigste Grund sein. Damit wird das Argument “Leihmutterschaft benutzt den Körper einer Frau und beutet ihn aus” in “eine Frau hat das Recht, mit ihrem Körper zu tun, was sie will, solange sie es frei und ohne Zwang tut” umgewandelt.

Ethische Gedanken

Das Neue wird oft aus moralischen Gründen abgelehnt wenn es nur außerhalb des gegenwärtigen Verständnisses beim Großteil der Gesellschaft liegt. Doch im Laufe der Zeit weicht der Skandal der Akzeptanz.

Ein klares Beispiel dafür ist die In-vitro-Fertilisation (IVF). Am Anfang wurde es als etwas völlig Inakzeptables gebrandmarkt, das die Menschenwürde und die Bioethik angriff. Heute werden viele Kinder dank verschiedener Techniken der assistierten Reproduktion geboren.

Wissenschaft, Medizin und Technik entwickeln sich zum Wohle der Gesellschaft weiter. Es ist gut, diese Fortschritte zu nutzen, ohne die ethischen Probleme zu vergessen, die viele von ihnen mit sich bringen. In diesem Sinne sollte nachgedacht werden, und nur diejenigen, die das menschliche Leben nicht gefährden, genutzt werden.

Für viele sollte die Leihmutterschaft als der Weg zu neuen Familienmodellen gesehen werden, die sich aus dem Fortschritt der heutigen Gesellschaften ergeben, und als ein Weg zur Lösung eines wachsenden Problems: der Unfruchtbarkeit.

Unter der Voraussetzung, dass sie unter angemessenen Gesetzen durchgeführt wird, die die Rechte und Pflichten jeder Partei garantieren, und unter dem erforderlichen Respekt vor dem Wohl des Kindes, glauben die Befürworter, dass Leihmutterschaft eine moralisch akzeptable Praxis ist.

Die Gegner dieser Fortpflanzungsmethode bestehen ihrerseits darauf, dass die Leihmutterschaft unethisch ist, weil sie die Kommerzialisierung des Körpers der Frau und des Minderjährigen voraussetzt, der zu einer Ware wird (Kind auf Bestellung), die den Klauseln eines Vertrages unterliegt: dem Leihmutterschaftsvertrag zwischen den Wunscheltern und der Leihmutter.

Fragen die Nutzer stellten

Was sind die größten ethischen Probleme die sich aus der Leihmutterschaft ergeben können?

durch Andrea Rodrigo (embryologin).

Wenn die Leihmutterschaft gut reguliert und unter Achtung der Rechte der Parteien und des Kindeswohls umgesetzt wird, werden moralische Probleme reduziert. Wenn jedoch nicht auf eine garantierte und respektvolle Gesetzgebung geachtet wird, können Situationen wie diese auftreten:

  • Ausbeutung der Frau
  • Kommerzialisierung oder Instrumentalisierung des weiblichen Körpers und des zukünftigen Babys
  • Psychologische Probleme bei der schwangeren Frau durch die Geburt des Babys
  • Ernsthafte Rechtsfolgen bei Verletzung des Leihmutterschaftsvertrags
  • Verletzung der Menschenwürde

Ist die altruistische Leihmutterschaft gegenüber der kommerziellen Leihmutterschaft moralisch besser gestellt?

durch Andrea Rodrigo (embryologin).

Viele Menschen halten die Leihmutterschaft für moralisch akzeptabel, wenn sie in einer unterstützenden und völlig uneigennützigen Weise durchgeführt wird, weil sie verstehen, dass dies die Ausbeutung von Frauen verhindert und wirklich eine freie Entscheidung über die Verwendung ihres Körpers ist.

Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die der Ansicht sind, dass es ihr gegenüber nicht fair ist, der Leihmutter keinen Ausgleich zu gewähren, da es für sie akzeptabel ist, eine Belohnung für die Hilfe zu erhalten, die sie selbst den Leiheltern anbietet.

Daher ist das, was mehr oder weniger akzeptabel ist, etwas, das jeder von uns aus der Sicht seiner eigenen Ethik bestimmen muss.

Wird aus philosophischer Sichtweise der Kantschen Ethik die Leihmutterschaft akzeptiert?

durch Andrea Rodrigo (embryologin).

Die kantische Ethik versteht es als unmoralisch, dass der Mensch erschaffen und benutzt wird, um Geld zu verdienen. In der Leihmutterschaft wird das Kind jedoch nicht für diesen Zweck geschaffen, und deshalb kann aus Kants Sicht die Leihmutterschaft als ethischer Prozess betrachtet werden, obwohl andere technische Aspekte berücksichtigt werden müssen, um diese Schlussfolgerung zu bestätigen.

Wenn gesagt wird, dass die Praxis der Leihmutterschaft von der Ethik geleitet werden muss, was bedeutet das dann wirklich?

durch Andrea Rodrigo (embryologin).

Das Verständnis von Ethik als die Reihe von moralischen Normen, die das Verhalten einer Person regeln, um von Ethik in Bezug auf die Leihmutterschaft zu sprechen, bezieht sich auf die Tatsache, dass keiner der Teilnehmer (zukünftige Eltern, Kliniken, Schwangere…) einen so komplexen Prozess einleiten sollte, ohne sich all seiner medizinischen, rechtlichen und moralischen Auswirkungen voll bewusst zu sein.

Jede der Parteien sollte bereit sein, ihre Verantwortung in jeder möglichen Situation zu übernehmen, damit es auf keinen Fall zu Nachteilen für die anderen kommt. Weder die Wunscheltern noch die Leihmutter oder das Baby sollten dabei unter den Folgen einer leichtsinnig getroffenen Entscheidung leiden.

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Zwischen Gut und Schlecht zu unterscheiden ist nicht immer einfach. Es gibt Befürworter der Leihmutterschaft die solches als ethisch vertretbar finden und Gegner,die dagegen argumentieren. Wenn Sie die Argumente einer jeden Seite lesen möchten, haben wir für Sie einen Artikel: Leihmutterschaft in der Debatte- Pro und Kontra

Um potenzielle ethische Konflikte zu verringern, ist eine entsprechende Gesetzgebung wichtig. Jedes Land hat seine eigene Rechtslage in dieser Thematik, sei es zugunsten der Leihmutterschaft oder dagegen. Möchten Sie wissen, in welchem Land die Leihmutterschaft unter welchen Voraussetzungen möglich ist? Dann werfen Sie einen Blick auf diesen Beitrag:

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Literaturverzeichnis

Autoren und Mitwirkende

 Andrea Rodrigo
Andrea Rodrigo
Embryologin
Abschluss in Biotechnologie von der Polytechnischen Universität Valencia (UPV) mit Master-Abschluss in Biotechnologie der assistierten menschlichen Reproduktion, unterrichtet von der Universität Valencia in Zusammenarbeit mit dem Valencianischen Institut für Unfruchtbarkeit (IVI). Postgraduierte Expertin für medizinische Genetik. Mehr über Andrea Rodrigo
Auf deutsch angepasst von:
 Romina Packan
Romina Packan
Babygest Staff
Chefredakteurin des Magazins Babygest auf Deutsch. Mehr über Romina Packan

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