Reproduktionstourismus: Definition, Merkmale und Länder

durch (embryologin) Und (babygest staff).
Aktualisiert am 04/12/2019

Der Begriff Reproduktionstourismus bezieht sich darauf, dass Personen im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung zur möglichen Lösung ihrer Fruchtbarkeitsprobleme ins Ausland verreisen. Der Reproduktions- oder auch Fortpflanzungstourismus ist eine weltweit immer häufiger vorkommende Form des Gesundheitstourismus- vor allem bei Patienten aus Ländern, in denen die Reproduktionsmedizin streng gesetzlich geregelt wird wie zum Beispiel in Deutschland der Fall.

Die Gesetze zur Reproduktionsmedizin unterscheiden sich von Land zu Land, so dass viele Menschen gezwungen sind, sich im Ausland einer Behandlung unterzuziehen. Methoden wie Leihmutterschaft oder Eizellenspenden sind in vielen Ländern verboten oder nur unter strengen Bedingungen erlaubt, die den Bedürfnissen dieser Menschen nicht entsprechen.

Definition

Reproduktionstourismus oder "Babytourismus" beschreibt eine Art Medizintourismus, der es Menschen mit Fruchtbarkeitsproblemen ermöglicht, durch eine Kinderwunschbehandlung im Ausland Nachkommen zu bekommen. Diese Form von Tourismus erlebt weltweit große Nachfrage.

Der Fortpflanzungstourismus bietet derzeit viele Möglichkeiten. Kurz gesagt, der Zugang zu bestimmten Reproduktionsbehandlungen ist einer der derzeit wichtigsten Trends als Mittel zur Geburt eines Kindes, wenn es auf natürliche Weise nicht möglich ist.

Jedoch muss vor einer Entscheidung ihre möglichen Vor- und Nachteile eingehend analysiert werden:

  • Vorteile: Ermöglicht Personen schwanger bzw. Eltern zu werden, wenn dies auf natürlichem Wege nicht möglich ist und sie im eigenen Land keine Möglichkeiten dazu haben. Darüberhinaus nutzen viele die Möglichkeit die Kinderwunschbehandlung mit einen Kurzurlaub zu verbinden, um so ein fremdes Land kennenlernen zu können.
  • Nachteile: Eine Auslandsreise bringt hohe Kosten mit sich und können für viele Familien, die sonst keine Alternative haben, problematisch werden. Je nach Reiseland und Nationalität können auch die für die Einreise in das Land erforderlichen Anforderungen und Unterlagen eine Hürde darstellen.

Bei Ankunft wartet in der Regel die Agentur oder Kinderwunschklinik vor Ort und leistet den Wunscheltern wertvolle Hilfestellung zur Leihmutterschaft, damit am Ende das Verfahren reibungslos abläuft. Tatsächlich reisen viele Personen ins Ausland, weil die ansässigen Zentren über weit fortschrittlichere Dienstleistungen verfügen und somit bessere Erfolgsraten garantieren.

Das Phänomen Fortpflanungstourismus

Es gibt Methoden in der Reproduktionsmedizin, die im Heimatland verboten sind oder deren Bedingungen sich nicht den familiären Umständen anpassen. Dadurch kommt es zu diesem Phänomen.

Die Hauptgründe warum sich Paare ihren Kinderwunsch im Ausland erfüllen, sind folgende:

Eizellen- und Samenspende
In manchen Ländern wie Deutschland herrscht ein Mangel an Samenspender, da durch eine neue rechtliche Regelung die Anonymität aufgehoben wurde und somit weniger Männer bereit sind, ihre Samen zu spenden. Die Eizellenspende ist dagegen in Deutschland verboten. Daher reisen viele Patienten auf der Suche nach Spender ins Ausland.
Leihmutterschaft
Da Leihmutterschaft in deutschsprachigen Ländern verboten ist, reisen viele Paare ins Ausland.
Präimplantationsdiagnostik
Diese Methode ist in vielen Ländern verboten oder nur unter strengen Voraussetzunten erlaubt, die es vielen Patienten nicht erlaubt, diese Methode anzuwenden.
Geschlechtsbestimmung
Die Wahl des Geschlechts zu nicht-therapeutischen Zwecken ist in den meisten Ländern nicht erlaubt.
Familienmodelle
es gibt viele Länder, an denen gleichgeschlechtliche Paare oder Singles- egal ob Männer oder Frauen- kein reproduktives Recht auf ein Kind haben. Daher sind zwei der häufigsten Profile homosexuelle Paare und Singles.

Angesichts der zahlreichen Vorteile einer Fruchtbarkeitsbehandlung im Ausland nehmen viele Patienten eine Reise in Kauf. Oft bieten diese Länder ein besseres Gesundheitssystem, anonyme Samen- oder Eizellenspenden, kostengünstigere Behandlungen oder flexiblere Altersgrenzen für eine Kinderwunschbehandlung.

Kinderwunschbehandlungen mit der höchsten Nachfrage

Wie bereits erwähnt, unterliegt die assistierte Reproduktion in vielen Ländern gewissen gesetzlichen Beschränkungen. Im Gegenzug werden solche Einschränkungen in vielen Fällen durch Gründe motiviert, die sich auf die Religion, Politik oder Kultur eines bestimmten Landes beziehen. Aus diesem Grund sind einige Techniken umstrittener als andere.

Wir weisen darauf hin, dass bei Bedarf Rechtsbeistand erforderlich ist, um mögliche Probleme bei der Rückkehr nach Deutschland zu vermeiden. Dies ist besonders relevant in Fällen von Leihmutterschaft wenn das Baby eingetragen werden soll.

Die unten genannten Behandlungen und Techniken sind auf ethischer und rechtlicher Ebene am umstrittensten. Eine notwendige Auslandsreise zur Durchführung dieser Behandlungen kann auf die rechtlichen Beschränkungen im Herkunftsland des Patienten zurückzuführen sein; Mögliche Gründe sind aber auch Kosten, Wartezeit, Altersgrenzen, usw.

Eizellen- und Samenspende

Die Spende von weiblichen und männlichen Gameten ist eine geeignete reproduktive Lösung für Paare, die ihre eigenen Eizellen und / oder Spermien aufgrund fehlender Gameten oder mangelhafter Qualität nicht verwenden können.

Die ethischen Implikationen und Konsequenzen der Spende bedeuten, dass nicht alle Länder sie befürworten. Zusätzlich gibt es ebenfalls Unterschiede in den Bedingungen für die Gametenspende. So können wir unterscheiden zwischen:

  • Altruistische oder kommerzielle Spende
  • Anonyme oder offene Spende

Aufgrund der neuen Rechtslage ist eine Samenspende in Deutschland mittlerweile "halboffen". Konnten früher weder Empfänger noch das Kind die Identität des Spenders erfahren, darf zumindest das Kind bei Volljährigkeit die Daten des Spenders erhalten. Die Vereinigten Staaten bieten sowohl anonyme als auch offene Spenden an, d.h. die zukünftigen Eltern dürfen sich die Spender aussuchen.

In Bezug auf die Eizellenspende ist in Ländern wie Frankreich und Österreich die Eizellspende altruistisch und erfolgt ohne finanziellen Ausgleich im Gegensatz zu Spanien, wo die Spenderinnen trotz altruistischem Charakter der Spende einen erheblichen finanziellen Ausgleich erhalten. In Deutschland hingegen finden keine Eizellspenden statt, da sie gesetzlich verboten sind.

Je nach festgelegten Bedingungen des Landes gibt es mehr oder weniger Spender. Bei altruistischen und offenen Spenden sind weniger Personen bereit, ihre Gameten zu spenden. In Deutschland ist so die Zahl der Samenspender drastisch gesunken. Nutzten früher vor allem Studenten die Samenspende als kleine Einnahmequelle, finden sich heutzutage weniger Freiwilige, was auf die neue Rechtslage zurückzuführen ist- so hat das aus einer Samenspende entstehende Kind das Recht, seinen biologischen Erzeuger bei Volljährigkeit kennenzulernen. Die Samenbank muss demnach die Daten aufbewahren und bei Bedarf herausgeben.

Sind die Gametenspenden hingegen anonym und werden großzügig entschädigt, gibt es folglich auch mehr Spender- was bedeutet, dass unter jenen ausgewählt werden kann, die zu den Empfängern die größte Ähnlichkeit aufweisen.

Leihmutterschaft

Die Leihmutterschaft ist eine der ethisch und psychologisch kompliziertesten Fortpflanzungstechniken. Infolgedessen haben nur wenige Länder sie in ihre Gesetzgebung aufgenommen.

Einige Bundesstaaten in den USA, Kanada, Griechenland, die Ukraine und Russland sind die am häufigsten aufgesuchten Länder für viele Menschen und Paare, die für ihren Kinderwunsch auf diese Methode zurückgreifen müssen. Dies ist vor allem auf die Tatsache zurückzuführen, dass die rechtliche Vaterschaft des Babys leichter zu erhalten ist.

Auch Georgien, Großbritannien, Mexiko oder Indien erlauben Leihmutterschaft. Jedoch ist mittlerweile in Mexiko und Indien die Leihmutterschaft für ausländische Wunscheltern aufgrund früherer Vorfälle nicht mehr möglich, weshalb sie für den Fortpflanzungtourismus ausscheiden.

Welches Land zur Durchführung einer Leihmutterschaft gewählt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Kosten
  • Zugang für neue Familienmodelle: homosexuelle Paare, alleinstehende Frauen und Männer...
  • Mögliche Gametenspenden, um die Schwangerschaft der Leihmutter zu erreichen
  • Rechtliche Bedingungen für die spätere Anerkennung des Babys

Egal ob erlaubt oder verboten, ist die Leihmutterschaft aus ethischer Sicht eine umstrittene Methode. Wenn Sie die verschiedenen Argumente und Meinungen kennenlernen möchten, empfehlen wir Ihnen, im folgenden Artikel weiterzulesen: Ethik in der Leihmutterschaft: Dafür oder dagegen?

Gendiagnostik am Embryo

Die Präimplantationsdiagnostik oder PID besteht darin, die genetische Ausstattung einer embryonalen Zelle zu analysieren um zu überprüfen, ob sie normal ist oder eine Störung ihrer DNS vorliegt, die eine Krankheit verursachen könnte.

Um die Genetik des Embryos zu untersuchen, ist es notwendig, eine kleine Perforation in seiner Membran vorzunehmen und eine Zelle zu extrahieren. Dabei geht es um die Manipulation des Embryos, was zu großen ethischen und moralischen Kontroversen führt. Aus diesem Grund ist sie in einigen Ländern verboten oder stark eingeschränkt.

In Deutschland muss zuerst die Ethikkommission den einzelnen Fall überprüfen. Nur wenn eine medizinische Indikation wie eine schwere Erbkrankheit vorliegt, kann eine PID durchgeführt werden.

In Ländern wie Italien ist die PID verboten, vor allem wegen des Einflusses der katholischen Religion, für die das Aussortieren von Embryonen die Zerstörung von Menschenleben bedeutet. Aus diesem Grund wählen viele Touristen zur Durchführung dieser Technik sowohl Spanien als auch die Vereinigten Staaten, wo es sogar möglich ist, das Geschlecht des Babys auszusuchen.

Geschlechtsbestimmung

Die Genanalyse ermöglicht es uns auch, das gewünschte Geschlecht für unser Kind auszuwählen. Einige Länder erlauben einen Gentest nur zu therapeutischen Zwecken, d.h. zur Vermeidung von einer Vererbung bestimmter Krankheiten, während andere zusätzlich eine Geschlechtsauswahl erlauben.

Diese Reproduktionsbehandlung hat eine umfassende Debatte auf ethischer Ebene ausgelöst, in der zwei klar differenzierte Positionen beobachtet werden können:

Dafür
diejenigen, die sich für die Wahl des Geschlechts des Babys aussprechen, betrachten es als eine Art reproduktives Recht der Frau und damit des Paares. Die Methode hilft auch, fundiertere Entscheidungen über die Gründung einer Familie zu treffen. Sie stellt auch eine Möglichkeit dar, die Quote vernachlässigter und verlassener Kinder zu senken.
Dagegen
es gibt eine große Anzahl von medizinischen Experten, die es für eine hochinvasive Technik halten, insbesondere wenn es für die Anwendung keinen medizinischen Grund gibt. Sie fördert die Verankerung so genannter "Geschlechterstereotypen" in der Gesellschaft, die den Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt negativ beeinflussen könnten.

Das Land schlechthin für diejenigen, die auf diese Technik zurückgreifen wollen, sind die Vereinigten Staaten. Die überwiegende Mehrheit der Patienten kommt aus den folgenden Ländern: Großbritannien, Australien und Kanada. Diese Länder verbieten die Verwendung der PID zur Auswahl des Geschlechts des Babys- es sei denn, es handelt sich um medizinische Gründe.

Fragen die Nutzer stellten

Was sind die häufigsten Profile der Gesundheitstouristen, die für eine Leihmutterschaft ins Ausland reisen?

durch Andrea Rodrigo (embryologin).

In dieser Art von Tourismus können wir alle Familienstrukturen einbeziehen: von heterosexuellen Paaren bis hin zu homo- oder alleinerziehenden Familien. Tatsächlich entspricht das häufigste Profil schwulen Paaren, deren Herkunftsland zahlreiche Einschränkungen in Bezug auf die reproduktiven Rechte für Familien mit diesen Merkmalen mitbringt.

In welche Länder reisen Deutsche normalerweise um eine Leihmutter zu suchen?

durch Andrea Rodrigo (embryologin).

Sie hängt in hohem Maße vom Familienmodell, dem verfügbaren Budget und den Präferenzen des jeweiligen Falles ab. Die Vereinigten Staaten sind jedoch in der Regel das Hauptziel, da sie Einrichtungen für alle Arten von Familien bieten und auch, wenn es darum geht, das Baby in das Zivilregister einzutragen.

Russland, die Ukraine, Griechenland, Georgien und Kanada sind ebenfalls mögliche Optionen, aber die geltenden Rechtsvorschriften müssen berücksichtigt werden. So wird beispielsweise im Falle Russlands nicht empfohlen, dass homosexuelle Paare dort ein Kind zur Leihmutterschaft bekommen, da das Gesetz dieser Art von Familien den Zugang zur Behandlung nicht erlaubt.

Wieviel Prozent der Frauen und wieviel Prozent der Männer machen vom Reproduktionstourismus Gebrauch?

durch Andrea Rodrigo (embryologin).

Die Zahlen sind ziemlich ähnlich, obwohl es durchaus üblicher ist, wegen einer Eizellspende ins Ausland zu reisen als wegen einer Samenspende. Bei heterosexuellen Paaren liegen die Ursachen für die Notwendigkeit der Leihmutterschaft in Problemen bei der Frau: Fehlende Gebärmutter, Gebärmutterfehlbildungen, Krankheiten, für die eine Schwangerschaft ein ernsthaftes Risiko darstellt, etc.

Für Sie empfohlen

Erwägen Sie, durch Leihmutterschaft oder Ovodonation ein Baby zu bekommen? Wenn ja, sollten Sie wissen, dass Leihmutterschaft eine Technik ist, die in vielen Ländern nicht erlaubt ist, während andere viele Vorteile bieten, je nach Familienmodell. Besuchen Sie diesen Abschnitt, um eine bessere Vorstellung von möglichen Ländern zu erhalten: Im gesamten Artikel haben wir auf die assistierte Reproduktion und deren Techniken hingewiesen, nach denen die größte Nachfrage herrscht. Wenn Sie Fragen haben oder nicht wissen, woraus jede einzelne besteht, erklären wir sie im folgenden Artikel näher: Wo ist die Leihmutterschaft legal?

Im Laufe dieses Artikel haben wir mehrfach die assistierte Reproduktion erwähnt, sowie die Methoden die am häufigsten nachgefragt werden. Wenn Sie dazu Fragen haben oder nicht wissen, worum es bei jeder einzelnen Behandlung geht, erklären wir Ihnen im folgenden Artikel die Unterschiede: Methoden in der assistierten Reproduktion.

Wenn Sie andererseits andere Möglichkeiten neben der Leihmutterschaft erwägen, haben Sie eventuell schon über eine Auslandsadoption nachgedacht. Für viele ist es dasselbe, auch wenn die beiden Konzepte voneinander unterscheiden. Wenn Sie wissen möchten, wie sich eine Adoption im Ausland zur Leihmutterschaft unterscheidet, haben wir diesen Artikel: Leihmutterschaft vs. Auslandsadoption.

Wenn Sie mehr über Kinderwunschbehandlungen im Ausland wissen möchten, können Sie im folgenden Artikel auf der Seite inviTRA (Fachmagazin für Fruchtbarkeitsthemen) mehr darüber erfahren: Schwanger werden mithilfe Reproduktionstourismus.

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Literaturverzeichnis

Autor

 Andrea Rodrigo
Andrea Rodrigo
Embryologin
Abschluss in Biotechnologie von der Polytechnischen Universität Valencia (UPV) mit Master-Abschluss in Biotechnologie der assistierten menschlichen Reproduktion, unterrichtet von der Universität Valencia in Zusammenarbeit mit dem Valencianischen Institut für Unfruchtbarkeit (IVI). Postgraduierte Expertin für medizinische Genetik. Mehr über Andrea Rodrigo
Auf deutsch angepasst von:
 Romina Packan
Romina Packan
Babygest Staff
Chefredakteurin und Übersetzerin für die englische und deutsche Ausgabe von Babygest. Mehr über Romina Packan

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