Wieviele Embryonen werden in einer Leihmutterschaft übertragen?

durch (embryologin), (embryologin) Und (babygest staff).
Aktualisiert am 15/12/2020

In einer Leihmutterschaft können, genauso wie in einer In-vitro-Fertilisation (IVF) Fragen dazu auftauchen, wieviele Embryonen übertragen werden.

Diese Entscheidung muss unter Berücksichtigung verschiedener Aspekte wie unter anderem die Embryoqualität oder die Herkunft der Keimzellen getroffen werden. Jedoch sorgen die hohen Kosten einer Leihmutterschaft und ein lang unerfüllt gebliebener Kinderwunsch dafür, dass den betroffenen Wunscheltern das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft egal ist oder diese sogar herbeiwünschen.

Trotzdem muss bedacht werden, dass eine Zwillingsschwangerschaft ein großes Risiko für die Leihmutter und das zukünftige Baby darstellt. Aus diesem Grund muss eine vernüftige Entscheidung über die Anzahl der zu übertragenden Embryonen getroffen werden.

Anzahl der Embryonen festlegen

Bis vor kurzem hat der Großteil der Spezialisten dazu tendiert, zwei oder drei Embryos übertragen. Es wurde jedoch festgestellt, dass eine höhere Anzahl von Embryos nicht direkt die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit erhöht. Entscheidend dabei ist eine gute Embryoqualität und daher reicht oft schon ein sehr hochwertiger Embryo für eine erfolgreiche Empfängnis aus.

Fortschritte in der Reproduktionsmedizin haben schließlich dazu geführt, dass weniger Embryonen übertragen werden. Beispiele dafür sind die Einführung neuartiger Brutkästen mit Time-Lapse-Technologie oder die Optimierung in der Embryovitrifikation. Diese Technologien haben zu einer Revolution im Bereich der Assistierten Reproduktion geführt und ermöglichen eine bessere Embryoselektion und eine verbesserte Qualität derselbigen, was wiederum die Einnistungs- und Schwangerschaftsrate erhöht.

Folgende Merkmale müssen bei der Auswahl der Embryos, die der Leihmutter übertragen werden, berücksichtigt werden:

  • Beschaffenheit der Embryos. Handelt es sich um Embryos der Klasse A, kann ein Single-Embryo-Transfer durchgeführt werden. Gehört der Embryo dagegen zur Klasse C oder D, kann überlegt werden, zwei Embryos zu übertragen.
  • Entwicklungsstadium des Embryos, das heißt, ob es sich um drei Tage alte Embryonen handelt oder sich diese im 5. Entwicklungstag befinden.
  • Empfänglichkeit der Gebärmutterschleimhaut. Die Gebärmutterschleimhaut spielt eine entscheidende Rolle in der Einnistung des Embryos in die Gebärmutter. Diese muss ein dreischichtiges Aussehen und eine Dicke von ungefähr 8-12mm aufweisen.
  • Herkunft der Eizellen und ihre Qualität. Die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit unterscheidet sich je nachdem, ob die Eizellen von einer gesunden und jungen Spenderin oder von einer Patientin fortgeschritteneren Alters stammen.
  • Darüberhinaus muss noch die Meinung der Leihmutter berücksichtigt werden, da sie diejenige ist, die das zukünftige Baby austragen wird.

    Risiken einer Mehrlingsschwangerschaft

    Jede Schwangerschaft bringt ihre Risiken und möglichen Komplikationen mit sich, jedoch sind diese in einer Mehrlingsschwangerschaft um einiges höher. Eine Schwangerschaft mit zwei oder mehr Babys kann eine Gefahr für die Gesundheit der Mutter bzw. Leihmutter und die der Babys darstellen.

    Da es sich um einen Prozess der Leihmutterschaft handelt, nimmt die Leihmutter das Risiko auf sich. Diese Frau setzt ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel um Personen zu helfen, die nur mit dieser Möglichkeit die Chance haben, Eltern zu werden.

    Unten führen wir die häufigsten Komplikationen einer Mehrlingsschwangerschaft auf:

    • Ausdehnung der Gebärmutter.
    • Plazenta praevia.
    • Erhöhter Blutdruck.
    • Präeklampsie.
    • Erhöhtes Risiko einer Fehlgeburt.
    • Frühgeburt.
    • Niedriges Geburtsgewicht.
    • Postpartale Blutungen.

    Es ist zu berücksichtigen, dass eine Mehrlingsschwangerschaft bei einer Leihmutterschaft viel häufiger vorkommt als bei einer IVF-Behandlung selbst. Daher müssen die notwendigen Vorkehrungen getroffen werden, um die Gesundheit der Leihmutter und des Babys zu gewährleisten.

    Single Embryo Transfer

    Frauen die sich dazu entschießen, dass Kind eines anderen Paares auszutragen, sind jung und gesund und haben schon mindestens eine natürliche und komplikationslose Schwangerschaft hinter sich. Außerdem haben sich die Kandidatinnen zuvor zahlreichen ärztlichen und psychologischen Untersuchungen unterzogen die ihre Tauglichkeit zum Gebähren belegen, ohne dabei ein Risiko eingehen zu müssen.

    Aus diesem Grund liegen bei diesen Frauen keine Fruchtbarkeitsprobleme vor, die weder eine Einnistung noch eine normale Entwicklung der Schwangerschaft beeinträchtigen würde. Daher stellt sich die Frage: Warum mehr Embryos übertragen?

    Embryos mit guter Qualität haben ein erhöhtes Einnistungspotenzial sodass, zusammen mit einer guten Empfänglichkeit der Gebärmutterschleimhaut der Leihmutter, eine Einnistung und somit eine Empfängis sehr wahrscheinlich stattfindet.

    Zusätzlich werden bei Männern die auf eine Leihmutterschaft aufgrund einer fehlenden Partnerin zurückgreifen müssen und bei Frauen, die nicht ihre eigenen Eizellen verwenden können, die Eizellen einer Spenderin verwendet, was die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit enorm ansteigen lässt.

    Folglich ist bei einer guten Embryoqualität die Mehrlingsschwangerschaft in einer Leihmutterschaft sehr wahrscheinlich und es sollte daher nur ein Embryo übertragen werden.

    Wann werden mehr Embryos übertragen?

    Nur in bestimmten Fällen werden mehr als ein Embryo übertragen:

    • Schlechte Keimzellenqualität.
    • Schlechte Embryoqualität.
    • Frühere gescheiterte IVF-Zyklen im Leihmutterschaftsprozess.

    Sollte der Arzt einen Transfer von mehr als einem Embryo vorschlagen, können zwei Embryos übertragen werden. Je höher die Anzahl der zu übertragenden Embryos, umso höher ist das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft.

    Da es nicht die Wunschmutter selbst ist die das Baby austrägt, wird die Gesundheit einer anderen Frau aufs Spiel gesetzt. Bei dieser Frau warten zuhause Mann und Kind und sie ist diejenige, die ihr Leben in die Hände der Wunscheltern legt damit diese ihren größten Wunsch erfüllen können. Daher dürfen auf keinen Fall unnötige Risiken eingegangen werden und es muss stets die Sicherheit der Frau gewährleistet werden, die sich in den ersten Lebensmonaten um das Baby kümmern wird.

    Fragen die Nutzer stellten

    Bleibt der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut gleich, egal ob einer oder zwei Embryos übertragen werden?

    durch Marta Barranquero Gómez (embryologin).

    Ja. Die Anzahl der zu übertragenden Embryos spielt beim Aufbau der Gebärmutterschleimhaut keine Rolle. Dieser Vorgang bleibt gleich - dass heißt, dass die Leihmutter Östrogen und Progesteron einnehmen muss damit das Endometrium die Eigenschaften aufweist, die für eine erfolgreiche Embryoeinnistung notwendig sind.

    Je mehr Embryos übertragen werden, umso höher die Schwangerschaftsrate?

    durch Marta Barranquero Gómez (embryologin).

    Prinzipiell ja, aber man sollte wissen, welche Qualität die übertragenen Embryos aufweisen. Wird beispielsweise ein Embryo der Klasse A übertragen, steigt die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit im Gegensatz zu den zwei übertragenen Embryos der schlechteren Qualitätsklasse D.

    Deshalb müssen verschiedene Faktoren wie Embryoqualität, Herkunft der Eizellen, Empfänglichkeit der Gebärmutterschleimhaut, usw. bewertet werden um eine Entscheidung über die Anzahl der zu übertragenen Embryos für eine hohe Erfolgsquote treffen zu können.

    Spielt die Keimzellenqualität bei der Entscheidung über die Anzahl der zu übertragenen Embryos eine Rolle?

    durch Marta Barranquero Gómez (embryologin).

    Die Antwort ist ja. Sind die Keimzellen (Ei- und Samenzellen) von schlechter Beschaffung, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die im Labor erzeugten Embryos eine niedrige Qualität aufweisen werden. Deshalb können diese Embryos sogar Chromosomenstörungen aufweisen, die dafür sorgen, dass eine Fruchtbarkeitsbehandlung scheitert.

    Werden dagegen gespendete Keimzellen verwendet, erhöht sich die Qualität der Embryos und daher auch die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit.

    Wie wird entschieden, ob ein oder zwei Embryos übertragen werden?

    durch Marta Barranquero Gómez (embryologin).

    Die Entscheidung darüber, ob einer oder zwei Embryos übertragen werden sollen, wird mithilfe der Beurteilung von verschiedenen Faktoren und unter Berücksichtung ärztlicher Empfehlung getroffen. Darunter ist eine Untersuchung der Qualität der Embryos, der Herkunft der Eizellen, der Empfänglichkeit der Gebärmutterschleimhaut notwendig und ob bereits frühere erfolglose IVF-Zyklen durchgeführt wurden.

    Der Zweck des Ganzen ist die Schwangerschaftsrate zu erhöhen und gleichzeitig eine Mehrlingsschwangerschaft zu vermeiden.

    Für Sie empfohlen

    Ein wichtiger Aspekt bei der Entscheidung, wie viele Embryonen übertragen werden sollen, ist das Embryonalstadium. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in dem folgenden Artikel: Welcher Tag ist besser für den Embryotransfer: der 3. oder 5. Tag?

    Wir haben im Laufe des Artikels auch erwähnt, dass die Kandidatin vohrer zahlreiche Tests durchlaufen muss, um als Leihmutter zugelassen zu werden. Mehr Einzelheiten lesen Sie im folgenden Artikel: Ärztliche Untersuchungen bei der Leihmutter vor und während der Schwangerschaft.

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Literaturverzeichnis

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Fragen die Nutzer stellten: 'Bleibt der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut gleich, egal ob einer oder zwei Embryos übertragen werden?', 'Je mehr Embryos übertragen werden, umso höher die Schwangerschaftsrate?', 'Spielt die Keimzellenqualität bei der Entscheidung über die Anzahl der zu übertragenen Embryos eine Rolle?' Und 'Wie wird entschieden, ob ein oder zwei Embryos übertragen werden?'.

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Autoren und Mitwirkende

 Marta Barranquero Gómez
Marta Barranquero Gómez
Embryologin
Abschluss in Biochemie und Biomedizinische Wissenschaften an der Universität Valencia (UV); spezialisiert auf Assistierte Reproduktion an der Universität Alcalá de Henares (UAH) in Zusammenarbeit mit Ginefiv und spezialisiert auf Klinische Genetik an der Universität Alcalá de Henares (UAH). Mehr über Marta Barranquero Gómez
 Sara Salgado
Sara Salgado
Embryologin
Abschluss in Biochemie und Molekularbiologie an der Universidad del Pais Vasco (UPV/EHU), mit Masterabschluss in assistierter Reproduktion an der Universidad Complutense de Madrid (UCM). Universitätsabschluss in Genetischer Diagnostik an der Universidad de Valencia (UV). Mehr über Sara Salgado
Auf deutsch angepasst von:
 Romina Packan
Romina Packan
Babygest Staff
Chefredakteurin und Übersetzerin für die englische und deutsche Ausgabe von Babygest. Mehr über Romina Packan

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